Vorfälle der ersten Nacht im Fokus

Brandstifter-Prozess am Landgericht Stendal: Weitere Zeugen haben ausgesagt

Das teilweise ausgebrannte Auto auf dem Gelände des Penny-Parkplatzes in Salzwedel.
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Das teilweise ausgebrannte Auto auf dem Gelände des Penny-Parkplatzes in Salzwedel. Es war in der Nacht des 16. August 2020 offenbar angezündet worden.
  • Jens Heymann
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Im Stendaler Landgericht ist der Brandstifter-Prozess gegen einen 29-jährigen Salzwedeler weitergegangen. Der zweite Verhandlungstag drehte sich vor allem um die Geschehnisse während der ersten Brandnacht, vom 16. auf den 17. August 2020. Damals gab es insgesamt fünf Vorfälle, die Gegenstand der juristischen Aufarbeitung sind. Drei Tage später, am 19. August, folgten noch zwei weitere Taten.

Salzwedel / Stendal – Allein bis zum Mittag ließ die vorsitzende Richterin, Simone Henze-von Staden, neun Zeugen aussagen, darunter mehrere Polizisten. Der erste von ihnen gehörte zu der Streife, die am 16. August abends gegen 22.45 Uhr zum Salzwedeler Bahnhof gerufen worden war. Ein Zeuge wies vor Ort auf eine geflohene männliche Person auf einem Fahrrad hin, der zuvor versucht haben soll, ein parkendes Auto anzustecken. Die Suche im Nahbereich sei aber erfolglos gewesen, so der Polizist im Gerichtssaal. Am Auto selbst sei eine nasse Linie aufgefunden worden – es hatte an dem Tag aber nicht geregnet. Für den Polizisten daher die Schlussfolgerung: Da hatte jemand versucht zu zündeln.

Die Aussage ging noch weiter: Denn am 16. August wurde die Streife zur Querstraße gerufen (23 Uhr). Dort hatte jemand offenbar eine mit brennbarer Flüssigkeit gefüllte Bierflasche gegen einen BMW geworfen. Die Überreste wurden jedenfalls vor Ort gefunden, und auch die Delle am Fahrzeug war neu – dies bestätigte sowohl der Polizist als auch später der Eigentümer. Der Parkplatz befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Salzwedeler Revier. Der Eigentümer des betroffenen BMW wie auch dessen Freundin und ein weiterer Anwohner waren weitere Zeugen dieses Vorfalls.

Der angeforderte Fährtenspürhund half dann später an der Leichenhalle, wo der Angeklagte festgesetzt wurde. Von dessen Händen und Rucksack sei derselbe Geruch wie zuvor vom Pkw ausgegangen, erklärte der Polizist dem Gericht. Das habe er selbst festgestellt.

Der Verdächtige wurde in dieser Nacht mit auf das Revier genommen. Wechselhaft gelaunt, manchmal aggressiv und nicht an einem normalen Gespräch interessiert, beschrieb der Polizist den Angeklagten. Dieser hätte sogar versucht, ihn zu erschrecken.

Die nächsten Zeugen beschrieben den Autobrand auf dem Bürgercenter-Parkplatz (22.50 Uhr). Sehr dunkel sei es dort gewesen, meinte ein 45-Jähriger. Er habe seine Freundin nach Hause gebracht, als er etwas bemerkte. „Es sah aus, als ob jemand eine Zeitung anbrennt und Schnipsel herunterfallen“, erinnerte sich der Mann. Dann habe er festgestellt, dass etwas auf dem Hinterreifen des Fahrzeugs lag und die Polizei gerufen. Der VW brannte aus. Da sei auch mit einem Feuerlöscher nichts mehr zu machen gewesen, erklärte einer der beteiligten Polizisten.

Auch eine Anwohnerin hatte die Vorgänge beobachtet. Sie dachte, da stehe jemand und knalle, sagte sie aus. Erst beim Näherkommen habe sie das Feuer wahrgenommen.

Im Landgericht wurde an diesem Tag auch der Vorfall auf dem Gelände am Penny-Markt (23.40 Uhr) behandelt. Eine Bewohnerin des Friedensrings und ihr Freund hatten das brennende Auto vom Wohnungsfenster aus gesehen. Der Eigentümer des VW sei ein Nachbar, so die junge Frau. Dieser habe es zunächst nicht glauben wollen, schilderte sie weiter. Kein Wunder: Er hätte den Wagen noch nicht lange besessen, keine zwei Monate, glaubte die Zeugin. Den von ihr beschriebenen Knall bestätigte später ihr Freund. Vermutlich ein geplatzter Reifen, hieß es. Einen Täter wollten beide jedoch nicht gesehen haben.

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