Keine Wehren zusammenlegen / Bereitschaft zur Zusammenarbeit fehlt

Brandschutzbedarfsplan in und für Salzwedel: Garagen statt Gerätehäuser

Die Ortswehr Salzwedel ist die einzige innerhalb der Stadtwehr, die über ein DIN-gerechtes Gerätehaus verfügt.
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Die Ortswehr Salzwedel ist die einzige innerhalb der Stadtwehr, die über ein DIN-gerechtes Gerätehaus verfügt.  

Salzwedel – Der Brandschutzbedarfsplan, der der Salzwedeler Stadtwehr eine moderne Struktur verpassen sollte (wir berichteten), scheint geplatzt. Es sieht nach einem „Weiter so!“ mit Containerlösungen aus.

So jedenfalls stellte sich die Situation am Dienstag im Verkehrsausschuss dar.

Das umfangreiche und detaillierte Papier der Gutachter soll noch einmal überarbeitet werden. „Wir müssen einen Weg zum Haushalt finden. Manches ist nicht finanzierbar“, ließ Bürgermeisterin Sabine Blümel durchblicken. Und verkündete: „Keine der Ortswehren wird geschlossen. Ein Zusammenlegen funktioniert nicht.“

Die Bürgermeisterin gab die neue Marschrichtung vor. Von vier von den Gutachtern empfohlenen Gerätehausneubauten soll es nur noch einen geben – bei Gerstedt. Zudem soll noch ein Löschwasserbedarfsplan aufgestellt werden, wobei bei Brunnenneubauten auf Tiefspiegelbrunnen (rund 40 000 Euro) gesetzt werden soll. Mit den preiswerteren Flachspiegelbrunnen (rund 10 000 Euro) habe man schlechte Erfahrungen gemacht, so Blümel.

Im Zusammenhang mit einer ausreichenden Löschwasserschlagkraft will die Bürgermeisterin bei Neuanschaffungen den Schwerpunkt auf wasserführende Fahrzeuge legen. Diese seien allerdings sehr teuer, sodass die Neubeschaffung sich hart an der jeweiligen Fördermittellage orientieren müsse, so Blümel. Die Fahrzeug- und Personalkonzeption soll – wie im Gutachten empfohlen – auf die Stützpunktbereiche ausgerichtet werden. Derer gibt es in der Salzwedeler Stadtwehr sechs (A bis F).

Neben einem Logistikkonzept müsse auch noch eine zentrale Datenbank angelegt werden. Blümel schlug deshalb vor, eine zusätzliche hauptamtliche Stelle für die Stadtwehr zu schaffen. Auch das hatten die Gutachter empfohlen.

Noch einmal zurück zu den Feuerwehrgerätehäusern. Diese sind von den Gutachtern in vier Kategorien eingeordnet worden. Einzig das Depot der Salzwedeler Ortswehr entspricht allen Anforderungen (Kategorie 1). Die Gebäude der Kategorie 2 erfüllen nicht alle Ansprüche. Dort riet Blümel zur „normalen Erhaltung“. Die Kategorie-3-Feuerwehrhäuser könnten „mit wenigen Handgriffen“ auf Kategorie-2-Niveau gebracht werden, meinte die Bürgermeisterin. Die Spritzenhäuser der Kategorie 3 bis 4 (Rockenthin und Gerstedt) sowie der Kategorie 4 (Wistedt, Hestedt, Barnebeck und Tylsen) bezeichnete Blümel als „kurz vor dem Schrott“. Und bekräftigte: „Dort müssen wir etwas machen.“ Mit Ausnahme von Gerstedt soll es keine festen Bauten geben. Das Mittel der Wahl sind stattdessen Fertigteilgaragen. Diese könnten dann auch woandershin umsetzt werden, wenn eine Ortswehr nicht mehr existiere, begründete die Bürgermeisterin. Mit den Maßnahmen sollen alle Gerätehäuser der Stadt wenigstens auf Kategorie 3 gebracht werden.

Der größte Knackpunkt, der einem Aufrüsten der Gerätehäuser und Wehren nach dem Gutachten entgegensteht, sei die Personalstruktur. Die gesamte Stadtwehr verfügt über 432 Aktive – also Einsatzkräfte. Doch deren Struktur habe grobe Mängel. So fehlen aktuell laut Stärke- und Ausstattungsnachweisungen (STAN) 86 Atemschutzgeräteträger, 14 Gruppenführer und 22 Zugführer. Auf gut Deutsch: Es hapert an jenen, die ins Feuer gehen wollen, und jenen, die führen wollen.

Und wie ein Zusammenlegen der Wehren nicht funktioniert (Blümel: „Sonst hätten wir keine Kameraden mehr.“), scheint generell auch eine Zusammenarbeit im Einsatzfall nicht möglich zu sein. Konkret ging es dabei um Feuerwehrleute aus 23 Salzwedeler Ortschaften, die in der Kernstadt arbeiten. Der Idee, dass diese bei Einsätzen die Salzwedeler Ortswehr verstärken könnten, wenn sie denn schon in der Stadt sind, nahm Salzwedels Feuerwehrchef Mario Müller im Verkehrsausschuss jegliche Hoffnung: „Ich habe mit den Kameraden, die hier arbeiten, schon gesprochen. Die zeigen keine Bereitschaft, in der Salzwedeler Wehr mitzuarbeiten“, so das niederschmetternde Ergebnis.

VON HOLGER BENECKE

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