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Boykottieren die Salzwedeler die Fußball-WM oder schauen sie doch zu?

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Von: Armon Böhm

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Menschen beim Public Viewing
Zur Fußball-EM im Sommer 2021 gab es in Lutzes Butze Public Viewing. Bei der diesjährigen WM wird zum Boykott aufgerufen. Die Meinungen sind gespalten. © Zähringer, Arno

Die Fußball-WM in Katar ist umstritten. Im Internet rufen viele zum Boykott auf, während andere der Meinung sind, dass Sport unpolitisch bleiben sollte. Doch wie stehen die Menschen auf den Straßen von Salzwedel dazu?

Salzwedel – Die 22. Fußball-Weltmeisterschaft (WM) findet aktuell in Katar statt. Der Austragungsort steht dabei nicht nur wegen der Jahreszeit, in welche das sonst sommerliche Turnier aufgrund von Hitze verschoben werden musste, sondern auch aufgrund von Menschenrechtsverletzungen in der Kritik. Viele rufen daher im Internet zum Boykott auf. Doch was halten die Menschen in Salzwedel von der diesjährigen WM?

Etwa zehn Passanten befragte die Altmark-Zeitung am Freitagnachmittag rund um den Rathausturmplatz und stieß dabei auf ein breites Meinungsbild. Lediglich jeweils zwei von den befragten Personen positionierten sich klar für beziehungsweise gegen einen Boykott. Die allgemeine Mehrheit zeigte kein großes Interesse an der WM, kritisierte allerdings auch die Umstände, über die die Medien berichten.

„Ich habe überhaupt kein Interesse. Habe nur bisschen was mitbekommen und finde einen Boykott schon gerechtfertigt. Aber wirklich kümmern tut es mich nicht“, erzählte die 35-jährige Anna Beinrot aus Lüchow. Anders sah das der 55-jährige Burkhard Mantau, der im AZ-Gespräch sagte: „Ich finde das alles ein bisschen übertrieben. Deutschland versucht immer, anderen Ländern ihre Demokratie aufzuzwingen. Soll doch jedes Land selber machen. Natürlich bin ich aber auch gegen die Diskriminierung von Schwulen. ‚Jeder soll nach seiner Fasson selig werden‘, wie der alte Fritz schon sagte.“

Eine 78-jährige Rentnerin aus Salzwedel kam ebenfalls auf die Diskriminierung zu sprechen und kritisierte dabei: „Ich hätte es wichtig gefunden, wenn Manuel Neuer die Armbinde ,One Love‘ getragen hätte. Alle verdienen Menschenrechte, auch die Menschen in Katar. Da sind wir alle gleich.“

Wie denn aber treue Fußball-Fans über die WM in Katar denken, bleibt wohl unklar. Jedoch zeigte das Public Viewing im „Hanseat“ am Mittwoch keinen großen Ansturm (AZ berichtete). Ob dies aber an der Uhrzeit lag oder doch an den Boykott-Aufrufen, ist ebenfalls fraglich. So volle Veranstaltungen wie bei der EM 2021 wird es vermutlich kaum geben.

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