Patrick Brauner ärgert sich über das vermüllte Salzwedel und sucht Mitstreiter

Blick für saubere Stadt schärfen

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Patrick Brauner kämpft für ein sauberes Salzwedel. Er will an das Bewusstsein der Hansestädter appellieren und sucht Mitstreiter.
  • Holger Benecke
    VonHolger Benecke
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Viele Salzwedeler machen sich zunehmend Sorgen um ihre alte Hansestadt. Dreck, Müll, Vandalismus. Das Thema treibt auch Patrick Brauner um. Der 34-jährige Altenpflegehelfer sowie Sterbe- und Trauerbegleiter betreibt zu dem Thema sogar eine eigene Seite im Internet. Brauner ist 2017 aus Stuttgart nach Salzwedel gekommen und hat die Altmärker „schätzen und lieben gelernt“. Doch der Zustand der Stadt, seiner Stadt, treibt ihn um. „An manchen Ecken sollte ein Schild stehen mit der Aufschrift: Achtung, Müll“, ärgert er sich.

Salzwedel - Durch seinen sechsjährigen Sohn habe er einen ganz anderen Blick auf die Sache bekommen, schildert er. Und sagt: „Ich will nicht, dass der Kleine sich daran gewöhnt.“ Der Weg an der Stadtmauer, die Jeetze selbst, der Park des Friedens ... „Das muss alles nicht sein“, kommentiert Brauner, „das ist Gleichgültigkeit und Ignoranz.“

„Hört endlich auf“

Der Ruf nach Ordnungsamt und Polizei bringe da gar nichts: „Die Menschen müssen selbst etwas tun.“ Und zwar nicht nur wegräumen, sondern gar nicht erst hinschmeißen. Das gelte auch für den Hundekot, der in Salzwedel an allen Ecken liege. „Man kann nicht alles über den Geldbeutel regeln. Es geht nicht um Sanktionen, sondern um das Bewusstsein der Menschen für ihre Stadt“, will Patrick Brauner Gleichgesinnte um sich sammeln.

„Hört endlich auf, die Ecken zu vermüllen, wenn ein Mülleimer daneben steht“, ist die Botschaft des 34-Jährigen. „Die Leute lieben ihre Stadt. Und wenn jeder einen kleinen Beitrag leistet und Rücksicht auf Kinder, Ältere und Behinderte nimmt“, verweist er auch auf die demolierten Bänke in der Stadt.

Früher wurde Salzwedel noch per Hand gereinigt – und zwar tipptopp von Peter Lücking und Meta Lesse.

„Es gibt Ecken, die sehen aus, wie nach dem Krieg“, will Brauner die Blicke der Salzwedeler für ihre Stadt schärfen. Plakatwerbung: „Wenn irgendwo etwa angebracht wird, wird es beschmiert und zerstört“, fände er eine Kameraüberwachung an manchen Stellen gar nicht so schlecht.

Einen Weg sieht Patrick Brauner darin, die Leute direkt anzusprechen. Hat er auch schon getan. „Aber man muss damit rechnen, dass einem Gewalt angedroht wird“, schildert er seine Erfahrungen. Es müsse etwas getan werden, dass auch nachwirke. Wenn Schulklassen Müll einsammeln, sei das gut, könne aber nicht der Weg zu einer sauberen Stadt sein. Aber es könne über die Kinder auf das Bewusstsein der Erwachsenen eingewirkt werden.

Alle mitmachen

„Es müssen alle mitmachen“, will Brauner. Es könne nicht immer nur heißen: Das müsse die Bürgermeisterin oder die Werbegemeinschaft machen. Er rät auch zu einem Aktionstag, eine Kampagne über einen längeren Zeitraum. Über seine Facebook-Seite sauberessalzwedel, wo er die vermüllte Hansestadt dokumentiert, habe er meist sehr gute Resonanzen bekommen. Aber es gebe auch andere, die sagen: „Jetzt kommt der von Stuttgart hierher und will uns belehren.“ Das liege ihm fern. Er will dazu anregen, keinen Müll mehr in die Gegend zu werfen.

„Die Stadt hat viele schöne Ecken, und die Touristen sollen doch nicht nur wegen des Baumkuchens hierherkommen“, spricht Brauner einen weiteren Aspekt an. Hin und wieder räume er mit seinem Sohn im Goethepark auf, sagt der 34-Jährige. Muss aber eingestehen: „Ich habe auch schon kapituliert.“ Deshalb sucht er in der Müllsache Mitstreiter, die nicht nur aufräumen, sondern auch an das Bewusstsein der Salzwedeler appellieren.

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