Es bleibt weiterhin ein Traum

„Waschanlage regelkonform“: Diedrich Gerdes kämpft für Ruhe am Sonntag

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Diedrich Gerdes hat einen Wunsch: Das Tor der Waschanlage soll sonntags geschlossen bleiben. Allerdings wird die Anlage vorschriftsmäßig betrieben.

Salzwedel – Der 63-jährige Salzwedeler Diedrich Gerdes kann seinen wohlverdienten Sonntag nach einer langen Arbeitswoche nicht so wirklich genießen.

Er besitzt ein Haus direkt an der stark befahrenen Magdeburger Straße (B 71) – aber der Autolärm ist es nicht, der ihm stört. Vielmehr geht es ihm um die gegenüberliegende Waschanlage der Jet-Tankstelle, die Gerdes Kopfschmerzen bereitet, besonders an Sonntagen.

„Wenn ein Auto in die Anlage fährt und der Waschvorgang beginnt, bleibt das Tor in den meisten Fällen einfach offen“, hat Gerdes beobachtet. „Besonders laut ist es, wenn der Föhn anfängt.“ Den 63-Jährigen stört, dass die Geräuschkulisse von der Waschanlage sich auf seinem kleinen Innenhof ausbreite und durch die Mauern ringsum verstärkt würde. Diedrich Gerdes Wunsch ist ein einfacher: „Ich will doch nur, dass das Tor am Sonntag geschlossen bleibt.“

Der Salzwedeler kämpft schon seit einigen Jahren für Ruhe, hat auch schon das Umweltamt eingeschaltet, das Lautstärkemessungen durchgeführt hat. Wie Dr. Helmar Teppert vom Umweltamt in einem Schreiben an Gerdes mitteilte, befindet sich das Eigenheim in einem Mischgebiet, in dem ein Geräuschimmissionswert bis 60 Dezibel (dB) tagsüber erlaubt ist. Gemessen wurden auf dem Gerdes‘schen Hof aber nur 43 dB, als die Waschanlage lief. Auch sei zu beachten, dass nicht der „Momentanwert“, sondern der „Tagesmittelwert“ entscheidend sei, schrieb Dr. Teppert weiter. Da die Anlage nicht durchgängig wäscht, sondern nur immer sechs Minuten lang, würde alles im Rahmen bleiben, hieß es weiter.

Diedrich Gerdes will das nicht hinnehmen – er kämpfte weiter. Sogar mit einer Anzeige bei der Polizei. Und er traf sich mit Stadtrat Holger Lahne (SPD / „Für Salzwedel“), um über seine Situation zu sprechen. Auch mit den Tankstellenbetreibern versuchte er ins Gespräch zu kommen. In seinen Augen ohne Erfolg. „Ich habe sogar Hausverbot bekommen“, ärgert sich der 63-Jährige.

Auf Nachfrage der Altmark-Zeitung bei dem Betreiber der Jet-Tankstelle wollte sich niemand direkt äußern. Es wurde lediglich auf die Pressestelle des Jet-Konzerns verwiesen und das Schreiben von Dr. Helmer Tepper angesprochen. Fest steht: Laut den örtlichen Behörden wird die Waschanlage „regelkonform“ betrieben. Somit bleibt die Sonntagsruhe für Dietrich Gerdes weiterhin ein Traum.

VON PAUL WILLIAM HIERSCHE

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