Von Woche zu Woche

Was bleibt: Ab in die Disco

Das Jahr neigt sich dem Ende. Und das Kanzlerinnenwort „In Salzwedel ist der Zug abgefahren!“ hat sich leider erneut bewahrheitet. Nach 130 Jahren hat nun auch unser gutes altes Hauptpostamt geschlossen. Und mit der Kerzenfabrik macht ein weiteres, wenn auch immer wenig beachtetes Traditionsunternehmen der Stadt dicht.

Holger Boden

In der Innenstadt haben wieder einige Geschäfte geschlossen. Der Leerstand fällt besonders in der Haupteinkaufsmeile an der Burgstraße auf. Auch wenn versucht wird, mit Bildern und Werbung die leeren Geschäfte nicht leer wirken zu lassen. Dazu kommen sonnabends an der Burgstraße eine Vielzahl von unterschiedlichen Öffnungszeiten, die Salzwedel bislang noch nie einen Einkaufssonnabend beschert haben. Die Jeetzestädter haben sich inzwischen längst daran gewöhnt, lieber gleich nach Wolfsburg, Lüneburg, Celle, Hamburg oder Magdeburg zu fahren. Komisch, liegt fast alles im Westen. Von dort kommen aber auch viele Menschen nach Salzwedel – vor allem, um Kultur zu genießen. Das wiederum hält das Salzwedeler Kulturhaus am Leben und füllt das Kunsthaus. Zum Glück bieten beide ein ausgewogenes und hervorragendes Angebot.

Noch etwas wurde in diesem Jahr geschlossen: das Liestener Waldbad. Vergessen ist inzwischen auch wieder der Kunstrasen für das Werner-Seelenbinder-Stadion, das eigentlich weitaus mehr als nur den Rasen braucht. Eine Grundsanierung der Anlagen, besonders der sanitären, ist seit Jahrzehnten (!) überfällig. Auch von einem Kletterpark oder -garten wird in Salzwedel nicht mehr geredet. Obwohl dieser Bestandteil der „Marketingwege 2030“ ist. Vom Tisch ist außerdem eine Sanierung / Neubau des Mehrgenerationenhauses, an dem seit Eröffnung als Kinderkombination 1983 nichts gemacht wurde.

Ebenfalls in den „Marketingwegen“: die Aufwertung der Altperverstraße. Aufgewertet ist dort besonders die Nr. 17, die zum Teil abgerissen wurde und als zugewuchertes Ruinengrundstück eine blühende Landschaft darstellt. Besonders für jene, die in der IHK-Geschäftsstelle Vorträge über Zukunftskonzepte in der Altmark hören und dann beim Verlassen des Hauses mit der Realität auf der gegenüberliegenden Straßenseite konfrontiert werden.

Doch wir wollen nicht ungerecht sein – es gibt auch Lichtblicke in der guten alten Hansestadt: So hat Salzwedel endlich wieder eine Diskothek. Und auch das Niephagener „Waldschlösschen“ ist hin und wieder geöffnet. Zwar nicht mehr als Ausflugsgaststätte aber dafür als illegaler Müllabladeplatz.

Von Holger Benecke

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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