Campen trotz Corona

Auf sechs Quadratmetern: Birgitta Enns und Johannes Weigelt starten Europa-Tour

Brigitta Enns und Johannes Weigelt in ihrem selbst gebauten Wohnmobil: „Auf sechs Quadratmetern mit 131 PS – mehr brauchen wir nicht zum Glücklichsein“, freut sich Brigitta Enns. Sonntag startet das Paar bis Weihnachten zu seiner Europa-Tour.
+
Brigitta Enns und Johannes Weigelt in ihrem selbst gebauten Wohnmobil: „Auf sechs Quadratmetern mit 131 PS – mehr brauchen wir nicht zum Glücklichsein“, freut sich Brigitta Enns. Sonntag startet das Paar bis Weihnachten zu seiner Europa-Tour.
  • Holger Benecke
    vonHolger Benecke
    schließen

Birgitta Enns und Johannes Weigelt starten am Sonntag auf eine neunmonatige Europatour. Mit einem selbst gebauten Camper geht es vorwiegend an den Mittelmeerküsten entlang.

Salzwedel - „Wir führen Strichliste, wie viele Corona-Tests wir machen müssen“, lacht der 28-jährige Johannes Weigelt aus Liesten. Er startet am Sonntag mit seiner Freundin, der 30-jährigen Brigitta Enns aus Salzwedel, zu einer neunmonatigen Europa-Tour in einem selbst gebauten Wohnmobil.

Ein Abstecher nach Marokko

Bis Weihnachten wollen sie zurück sein, denn ab 1. Januar müssen sie wieder arbeiten. Johannes Weigelt, der in Hamburg als Industriefachwirt arbeitet, hat mit seinem Arbeitgeber alles vertraglich geregelt. Brigitta Enns ist sogar noch einen Schritt weitergegangen. Sie arbeitet als Personalreferentin in Potsdam, setzt ein Jahr mit ihrem Job aus und hat ihre Wohnung im Zentrum der Stadt der Schlösser und Gärten gekündigt.

Nun geht es los. Zuerst ist ein Abstecher nach Marokko geplant. Da ist ein wenig Bangen dabei, denn erst am Tag ihres Starts entscheidet sich, ob Marokko wegen Corona wieder Fremde ins Land lässt. Anschließend geht es zurück nach Spanien, dort an der Küste entlang – Barcelona oder Marseille steht auf dem groben Reiseplan. Dann wollen sie mit der Fähre nach Mallorca. Weiter geht das Inselhopping nach Sardinien und Sizilien. In Italien will das Paar auf dem Weg in Richtung Alpen dann entscheiden, ob noch Zeit für einen Abstecher auf den Balkan bleibt – Slowenien, Kroatien, Griechenland.

Die Tour entscheidet sich jeweils nach den herrschenden Corona-Einschränkungen. „Wir sind auch ein wenig planlos unterwegs – ohne Ziel“, sagt Johannes Weigelt. „Dort, wo es uns gefällt, bleiben wir einfach länger“, ergänzt Brigitta Enns. Als Camper können sie das, sind bei den geltenden Pandemie-Bestimmungen nicht von Flügen, Hotels usw. abhängig.

Geplant war die Tour schon vor Corona. Doch ohne die Pandemie wäre es so schnell nichts geworden. Im vergangenen Jahr hatte Johannes Weigelt dafür einen Peugeot Boxer gekauft. Doch dessen Umbau kam erst durch Corona so richtig voran, weil Johannes Weigelt im Homeoffice mehr Zeit hatte. Den Wagen hat er top ausgestattet. Selbst eine Außendusche gehört dazu, um drinnen Platz zu sparen. Dort dominiert nicht wie bei den meisten Campern ein großer Tisch, sondern ein bequemes Bett. „Das ist das Wichtigste auf so einer langen Reise“, sind sich beide einig. Und: Sie können mit ihrem Camper rückwärts an den Strand fahren, die Hecktüren öffnen und bequem lümmelnd den Sonnenunter- oder -aufgang genießen. Denn die Tour richtet sich hauptsächlich an der Mittelmeerküste aus.

Der Peugeot Boxer, den Johannes Weigelt selbst zu einem komfortablen wie auch äußert zweckmäßigen Wohnmobil umgebaut hat.

Vom Dream-Team zur Love-Story

„Auf sechs Quadratmetern mit 131 PS – mehr brauchen wir nicht zum Glücklichsein“, schmunzelt Brigitta Enns. Doch so lange sind die beiden noch gar kein Paar. „Ein Team sind wir schon lange“, berichtet Johannes Weigelt aus Salzwedeler Zeiten, dann am Gymnasium in Lüchow und auch weiterhin, trotzdem sich ihre Wege trennten. Brigitta Enns ging vor fast neun Jahren nach Potsdam, und Johannes Weigelt machte nach dem Abitur eine kleine Weltreise.

Vor dem Lockdown schnackselte es dann. Das Team Weigelt / Enns hatte bei einem Black Friday supergünstig einen Flug samt Konzertkarten in New York ergattert. Von dort kamen sie als Paar zurück. Und haben inzwischen mit Touren nach Bayern und in die Schweiz ihre gemeinsame Campertauglichkeit erprobt – es klappte ausgezeichnet.

Nun folgt die große Bewährungsprobe. Beide wollen sich viel Zeit füreinander und die verschiedenen Länder und Regionen nehmen. Johannes Weigelt bringt es auch den Punkt: „Nicht Party in Paris und Lissabon, sondern Wandern und Fahrradfahren in den schönsten Landschaften Südeuropas.“

Für ihre Tour haben sie schon fleißig Benzingutscheine gesammelt und sind damit bereits zu Weihnachten von Freunden und Verwandten bedacht worden. Insgesamt rechnen sie mit Kosten von etwa 1000 bis 1200 Euro im Monat.

Die Abenteuer live verfolgen

Ihre Erlebnisse können Sie, liebe Leser, in der Altmark-Zeitung verfolgen oder auf Instagram unter 6qm131ps (auf sechs Quadratmetern mit 131 PS). Für schöne Bilder soll auch eine Drohne sorgen, die die beiden neben Nudeln, Ketchup und einer Flasche Hasseröder Bier mit an Bord haben.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare