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Beweisaufnahme im Prozess gegen Rocker aus Salzwedel beendet

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Von: Christian Reuter

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Gerichtssaal
Im Prozess gegen ein Salzwedeler Mitglied des Motorrad- und Rockerclubs Hells Angels wurde am Mittwoch die Beweisaufnahme beendet. Bereits am 29. November könnten die Plädoyers gehalten werden. © Heymann, Jens

Der Prozess gegen ein Salzwedeler Mitglied des Motorrad- und Rockerclubs Hells Angels wegen versuchten Totschlags wurde am Mittwoch, 23. November, vor dem Stendaler Landgericht fortgeführt. Der 48-Jährige soll laut Staatsanwaltschaft am 17. August 2019 in Salzwedel einem Afghanen zweimal mit einem Messer in den Rücken gestochen haben.

Stendal / Salzwedel. Als Zeugen geladen waren am Mittwoch: zwei Afghanen, ein Polizist und ein Rettungssanitäter. Letzterer, Christoph F. (52), aus Salzwedel wies gleich am Anfang darauf hin, dass er einmal von der Kripo angehört worden sei und sich seitdem nicht mehr mit dem Fall beschäftigt habe: „Es gab viele andere Dinge, die wichtiger waren.“

Waffe soll schmal gewesen sein

Der Zeuge bezeichnete die Waffe anhand der Schnittverletzungen als eine sehr schmale. Auf Nachfrage von Richter Ulrich Galler, ob er vor Ort etwas über den Tathergang gehört habe, verneinte dieser das.

Später erinnerte er sich auf eine weitere Nachfrage, dass am Tatort das Wort Messer gefallen sei: „Das war das einzige Wort, dass ich gehört habe.“ Der Zeuge wusste aber nicht, ob es auf eine Tat bezogen war.

Recht umfangreich äußerte sich der Zeuge Maximilian K. (33), ein Polizist, der zur Nachtschicht gehörte, zum Tatgeschehen.

„Als der Einsatzruf kam, sind wir mit zwei Streifenwagen zu einer Shisha-Bar gefahren. In entgegengesetzter Richtung durch eine Einbahnstraße. Da kamen uns fünf Personen, die stark alkoholisiert waren, entgegen. Sie haben uns von einer Schlägerei, bei der auch Tische und Stühle eingesetzt wurden, berichtet. Ich habe beschlossen, zur Bar zu fahren, der andere Wagen blieb bei der Gruppe.“

K. berichtete, dass er zwei Personen und den Inhaber der Bar angetroffen habe: „Der Inhaber war nicht sehr kooperativ.“ Auch die Klärung des Sachverhalts habe sich sehr schwierig gestaltet: „Der Afghane und der Iraner waren stark alkoholisiert und hatten Sprachprobleme. Außerdem lag der Afghane bäuchlings auf dem Bauch und hielt sich seinen Rücken.“

An mehr könne er sich nicht mehr erinnern

So wie K. sich erinnerte, lagen überall Scherben auf dem Boden: „Ich ging davon aus, dass sich der Mann an den Scherben verletzt hätte.“

Er klagte über Schmerzen. Auf einmal sei Herr Sch. neben ihm gestanden und sagte, dass er attackiert worden sei, könne aber nichts zu dem Sachverhalt sagen. Da Sch. in dem Moment nicht tatverdächtig gewesen sei, habe der Polizist lediglich die Personalien aufgenommen.

K. führte dann noch aus, dass er den Wagen von Sch., „eine große Mercedes-Limousine, die auf dem Gehweg parkte“, registriert habe.

An mehr könne er sich nach der langen Zeit nicht erinnern. Eine mögliche Täterfrage sei am Einsatzort nicht erörtert worden. Jemand hätte auf Sch. gezeigt und ihn beschuldigt, der Täter zu sein.

Richter Ulrich Galler wollte vom Zeugen noch wissen, ob er sich an die Kleidung von Sch. erinnern könne. „Ja, Hemd, Hose und Jacke von Adidas, das habe ich an den Streifen gesehen.“ Auf eine weitere Nachfrage des Richters, ob er auch noch die Farbe wisse, antwortete K.: „Schwarz oder rot. Aber ich kann mich nicht mehr erinnern.“

Auch die Frage, ob Sch. am Tatort verblieben sei und gestört habe, verneinte der Zeuge. K. erinnerte noch einmal daran, dass es ein warmer Augustabend gewesen sei, an dem immer wieder Personen vorbeigekommen seien.

Angeklagter wollte nichts sagen

Kurz vor Verhandlungsschluss bat Richter Galler den Angeklagten, der Kammer doch einen Kurzlebenslauf von sich zu geben und einige Fragen zu beantworten. Dies lehnte Kay Sch. aber ab, sodass nun nur noch die 14 Einträge aus dem aktuellen Strafregisterauszug des Angeklagten zu verlesen waren. Der erste stammt aus dem Jahr 1993, der letzte von 2014: „Tragen von verfassungswidrigen Kennzeichen“.

Mit dem letzten Zeugen Maximilian K. endete am Mittwoch nach acht Verhandlungstagen die Beweisaufnahme. Der für Donnerstag, 24. November, vorgesehene Termin wurde ausgesetzt.

Verteidigung und Staatsanwalt sollen sich darauf einstellen, am 29. November die Plädoyers zu halten, hieß es.

Es gebe wohl noch weitere Zeugen, die würden aber ausgeladen. Eventuell wird noch ein Sachverständiger gehört, aber das blieb offen.

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