Altmarkkreis Salzwedel will Abläufe mit neuer Technik beschleunigen

Bessere Infos für die Einsatzkräfte

Bei Feuerwehreinsätzen gehört ein zügiger Informationsfluss zu den wichtigen Grundlagen. Um dies zu verbessern, soll die Kommunikation zwischen Einsatzkräften vor Ort und der Leistelle Altmark mit Hilfe von digitaler Technik beschleunigt werden. Foto: AZ-Archiv
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Bei Feuerwehreinsätzen gehört ein zügiger Informationsfluss zu den wichtigen Grundlagen. Um dies zu verbessern, soll die Kommunikation zwischen Einsatzkräften vor Ort und der Leistelle Altmark mit Hilfe von digitaler Technik beschleunigt werden.
  • VonChristian Ziems
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Altmarkkreis. Wie lassen sich Feuerwehr, Rettungskräfte und Ärzte im Ernstfall schneller sowie besser informieren? Dieser Frage haben sich Experten gestellt.

So dauert es zum Beispiel vom eigentlichen Alarmieren bis zum tatsächlichen Anzeigen des Notfalls auf den Piepern bis zu 40 Sekunden. Diese Zeit geht nutzlos verloren. Darauf wies Kreistagsmitglied Dr. Ilja Karl im Ordnungsausschuss hin. Das Problem: Die verwendete Technik ist veraltet. Sachgebietsleiter Rüdiger Wührl erklärte, dass künftig möglichst auf Glasfaseranbindung gesetzt werden soll. Der Anstoß dafür kam aus Richtung Salzwedel, im Nachbarkreis ist das nun ebenfalls Thema. Dies mache Sinn, da es ja eine gemeinsame Leitstelle in Stendal gibt.

Auf diese ging Rüdiger Wührl am Donnerstag im Detail ein. Pro Jahr werden etwa 100 000 Anrufe bearbeitet. Die Vielfalt reicht von entlaufenen Hunden und Wildunfällen, über Brände bis hin zu Großschadenslagen wie Wetterextreme. Um den Einsatzkräften vor Ort bessere und aktuellere Infos geben zu können, wird verstärkt auf digitale Technik gesetzt. Dabei bilden die Einsatzleitwagen in den Gemeinden eine Schlüsselrolle. Diese haben bereits die nötige Computertechnik und bekommen ein einheitliches System. Mit diesem können sie auch Details der jeweiligen Einsätzen schnell an die Leitstelle zurückschicken und zum Beispiel auf aktuelle Karten zurückgreifen.

Allein im Altmarkkreis Salzwedel gibt es 142 Feuerwehren, in Stendal sind es 202. Das macht zusammen ein Fünftel von Sachsen-Anhalt aus. 674 Fahrzeuge können in der Altmark genutzt werden.

Normale Pkw sollen künftig ebenfalls mit der Leitstelle kommunizieren. Und zwar dann, wenn der Wagen einen Unfall gebaut hat. Das System „eCall“ ist ein automatischer Notruf. Er muss ab dem 31. März 2018 in allen neuen Modell verpflichtend eingebaut werden. Die Leitstelle Altmark ist vorbereitet, bereits am Januar 2018 lässt sich die neue Technik umsetzen. Allerdings gab es im Ausschuss die Einschränkung, dass einige Gebiete einen schlechten Handyempfang haben. Dort wird „eCall“ wohl so schnell nicht funktionieren.

Für die insgesamt 20 Mitarbeiter soll ein weiteres neues Detail die Arbeit erleichtern. Und zwar ein Programm, das bei Notrufen abgearbeitet wird. Kreistagsmitglied Jürgen Barth wollte wissen, ob dann eine Computerstimme am Apparat ist. Dies wurde vereint. Es gilt viel mehr darum, anhand der Liste die nötigen Infos möglichst schnell vom Anrufer zu bekommen.

Die Zeiten, die zum Beispiel die Besatzung eines Rettungswagen von der Wache bis zum Einsatzort einhalten muss (zwölf Minuten), sorgte am Donnerstag für Kopfschütteln. Denn die Uhr beginnt bereits beim Abnehmen des Hörers in der Leitstelle zu ticken. Für den Anruf bis zur eigentlichen Alarmierung ist eine Minute vorgesehen. „Jetzt stellen Sie sich vor, es ruft eine Frau, an deren Mann von der Leiter gefallen ist und blutend am Boden liegt. Die muss doch erst einmal beruhigt werden, bevor sich weitere Fragen klären lassen“, machte Dezernent Hans Thiele deutlich, dass die Zeiten theoretisch ermittelt wurden. Die Praxis sehe allerdings oftmals anders aus.

Verwirrend: Bei Feuerwehren läuft die erlaubte maximale Hilfsfrist erst an, wenn die Sirene oder der Pieper Alarm schlagen. Der Notruf zählt anders als bei Rettungswagen nicht mit. Und das obwohl dasselbe Landesministerium in Magdeburg zuständig ist.

Von Christian Ziems

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