Ferdinand von Westphalen: Preußens Innenminister und Halbbruder von Jenny Marx drückte in Salzwedel die Schulbank

Der Berater des Königs kam aus Salzwedel

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Seit 1895 ist das Gebäude an der Mönchskirche Rathaus. Zuvor tummelten sich dort Gymnasiasten und davor Franziskaner-Mönche.

Salzwedel. Er war ein gefürchteter Gegner der Politik Karl Marx und zugleich der Halbbruder seiner Frau Jenny Marx: Ferdinand von Westphalen.

Die geborene Jenny von Westphalen hatte zwei Geschwister und vier Halbgeschwister aus der ersten Ehe ihres Vaters Johann Ludwig von Westphalen. Ferdinand Otto Wilhelm Henning von Westphalen war einer von vier Halbgeschwistern. Er wurde später preußischer Innenminister.

Der Held der Schneeballschlacht

Preußens Innenminister Ferdinand Otto Wilhelm Henning von Westphalen war kein Freund seines Schwagers Karl Marx, dem Mann seiner Halbschwester Jenny.

Ferdinant von Westphalen erblickte das Licht der Welt am 23. April 1799 in Lübeck. Er war das erste gemeinsame Kind von Johann Ludwig von Westphalen und seiner Mutter Elisabeth von Veltheim. Sein Vater war von 1809 bis 1813 Unterpräfekt in Salzwedel. Als Ferdinand von Westphalen 1810 das elfte Lebensjahr erreicht hatte, besuchte er das Gymnasium in Salzwedel. Dieses befand sich damals im ehemaligen Franziskanerkloster – dem heutigen Salzwedeler Rathaus. Zu von Westphalens Schulzeit wirkte dort Johann Friedrich Danneil als Lehrer und Subcondirektor.

Eine Zeichnung vom Innenhof des ehemaligen Gymnasium Salzwedel, dem heutigen Rathaus. Von 1810 bis 1816 ging Ferdinand von Westphalen dort zur Schule.

Sechs Schuljahre absolvierte der junge Ferdinand am Salzwedeler Gymnasium. In dieser Zeit schloss Ferdinand von Westphalen viele Freundschaften. Darunter befand sich auch Wilhelm Gottlieb Woltersdorf, der um 1815 eine Schneeballschlacht auf dem Schulwall des Gymnasiums episch festgehalten hatte. So entstand das 70 Seiten umfassende Buch „Der Helden Primas und Sekundas Schneekampf“. Ein Vers bezieht sich auf den jungen von Westphalen: „Treffend mit kaltem Geschoss den Rücken der Söhne Secundas. Sicher weichen sie dann vom Thor des düsteren Kreuzgangs, All’ in eilender Flucht, weil vorn und hinten der Feind droht. Ihm antwortete drauf der herrlichragende Bätcke: Ferdinand, mutiger Held und einsichtsvoller Berater! Immer pflegst du im Kampf und unheilbringender Feldschlacht, kühn in vorderer Reihe zu stehn’, dem Tapfern Vorbild.“

Nachdem Ferdinand von Westphalen seine Reifeprüfung am Gymnasium abgelegt hatte, begann er 1816 ein Jurastudium in Halle. Nicht nur in der hallensischen Universität war der Sohn von Johann Ludwig von Westphalen eingeschrieben, auch in Göttingen und Berlin ist sein Name zu finden. Nach dem Studium arbeitete er in verschiedenen Verwaltungen Preußens. Dies prägte seine Laufbahn später stark. In Trier hatte er ab 1838 als Oberregierungsrat eine höhere Stellung als zuvor sein Vater in Salzwedel.

Chefverschwörer lässt alle bespitzeln

Zu Jenny Marx pflegte der Halbbruder nur einen kühlen Kontakt. Nur wenige Briefe haben die beiden Halbgeschwister in ihrem Leben ausgetauscht. Der Grund dafür war Karl Marx, der mit seinen Ansichten die politischen Verhältnisse grundlegend infrage stellte.

Anders als Marx wirkte von Westphalen als konservativer Politiker. Die Spannung zwischen beiden Männern wirkte sich auch auf die Beziehung der Geschwister aus. Allerdings versuchte Jenny Marx, den Kontakt zu ihrem Halbbruder wieder aufzubauen, scheiterte jedoch an dessen störrischen Verhalten. Darunter litt Jenny Marx, denn sie hatte Ferdinand sehr gern.

Unterschriften der Mitglieder der Familie von Westphalen: Auch Ferdinands Namenszug ist auf diesem Schriftstück zu finden.

Nach der bürgerlichen Revolution 1848 / 1849 und dem überraschenden Tod des preußischen Ministerpräsidenten Friedrich Wilhelm Graf von Brandenburg wurde Ferdinant von Westphalen am 19. Dezember 1850 zum preußischen Innenminister und Interimsminister für landwirtschaftliche Angelegenheiten ernannt. So arbeitete er an der Seite von König Friedrich Wilhelm IV. In diesem Amt war Ferdinant von Westphalen bis 1858. Der König lobte ihn bei seiner ersten Audienz mit den Worten: „So vortrefflich, wie er es gar nicht erwartet hätte.“

Im Nachlass von Ferdinand von Westphalen sind auch biografische Aufzeichnungen erhalten.

Doch auch andere Stimmen wurden laut. So bezeichnete der Diplomat und Schriftsteller Oskar Meding (1828-1903) Ferdinand von Westphalen als persönlich hochehrenwert aber politisch völlig rückläufig. Noch deutlicher wird der Historiker Hajo Holborn (1902-1969). Er hatte an der Universität Berlin bei Friedrich Meinecke Geschichte studiert. Letzterer wurde übrigens 1862 als Sohn des Postmeisters Friedrich Ludwig Meinecke in Salzwedel an der Sankt-Ilsen-Straße geboren.

Doch zurück zu Hajo Holborn: Er hielt Ferdinand von Westphalen für den „Chefverschwörer der ganzen Kamarilla“ und unterstellte von Westphalen, dass dieser ein Privatkabinett des Königs in der preußischen Regierung unterhalten habe. Von Westphalens Spionagenetz soll Freunde und Feinde gleichermaßen überwacht und selbst den preußischen Thronerben, Prinz Wilhelm, bespitzeln lassen haben.

Auch Karl Marx äußerte sich über seinem Schwager nicht gerade positiv. Er betitelte Ferdinand von Westphalen als einen „mustergültigen Aristokraten“.

Das Ende in Berlin

Neben seinem Beruf im königlichen Amt pflegte er eine enge Bindung mit seiner Frau Louise von Florencourt. Zusammen haben die beiden drei Kinder. Im Alter von 77 Jahren starb Ferdinand Otto Wilhelm Henning von Westphalen am 2. Juli 1876 und wurde in Berlin beigesetzt.

Von Paul W. Hiersche

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