Indian Motorcycle Club kam mit Chiefs und Scouts nach Kussebode

Benzin im Blut

Ausfahrt durch eine „phantastische Motorradregion“, finden die Indian-Lenker und haben das Deutschlandtreffen erneut hier veranstaltet.

Kussebode. Benzin liegt in der Luft. Plötzlich ein ohrenbetäubendes Knattern. Die Erde bebt. So durchbrachen am Wochenende etwa 40 Indian-Motorcycle-Fahrer mit ihren großvolumigen Zweizylinder-V-Motoren die Stille im kleinen Dorf Kussebode nahe Bergen im Wendland.

Die von 1901 bis 1953 im US-amerikanischen Springfield gebauten Maschinen waren die ersten Serienmotorräder in den USA. Gegen 11.30 Uhr startete die tiefsitzende Zweiradkolonne am Sonnabend zu ihrer Clubausfahrt. Nach ihrer Rückkehr in den Brauereihof des Wendland-Bräu warteten die so genannten „Silly Games“ auf die Indian-Liebhaber und jede Menge neugierige Zuschauer.

Der langsamste Fahrer gewann den Low-Run. Zwei Gegner pro Durchgang traten gegeneinander an. Derjenige, der am besten die Fußkupplung schleifen ließ, diese so dosierte, dass die 250-Kilo-Maschine am langsamsten vorwärts kam und dabei das Gleichgewicht hielt, gewann den Wettstreit. „Wer zuerst den Fuß aufsetzt, ist raus“, erklärt Dietmar Saul, der für die Fahrer das Startzeichen gab. Beim Polizei-Spiel fuhren die Gegner einhändig mit einer mit einem Gummigeschoss geladenen Spielzeugwaffe in der rechten Hand und zielten auf Plastikschüsseln auf einem Tisch. „Einer Legende nach ist das Gas links, damit die amerikanischen Polizisten die rechte Hand für den Colt frei hatten“, erzählt Saul. „Aber das ist quatsch“, erklärt der Präsident des deutschen Indian Motorcycle-Clubs, Rafael Rienks.

Doch durch das links platzierte Gas, die Fußkupplung und dem Schalthebel auf der rechten Seite sind die amerikanischen US-Klassiker anders zu fahren, gab Rienks zu. Wer sich für eine Indian entscheide, müsse sich in die Technik reindenken und das Fahren noch einmal neu lernen.

Seit 1987 trifft sich die deutsche Sektion der US-Klassiker aus Springfield jährlich in Deutschland. Zirka 400 Mitglieder zählt die deutsche Sektion. Zum zweiten Mal wählten sie den niedersächsischen Brauereihof im Wendland für das Treffen. „Die Landschaft ist schön. Das Bier ist lecker. Hier ist es einfach genial“, nannte der Präsident den Grund. Jedes Jahr wechseln die Orte, damit der Anreiseweg der Mitglieder, die aus allen Himmelsrichtungen kommen, variiert. Auch Fans aus Holland und Belgien waren in Kussebode wieder mit von der Partie.

Gestern reisten die Liebhaber der Indian mit ihren Kult-Maschinen mit dem charakteristischen Indianerkopf auf dem Tank wieder ab. Mit 70 bis 90 km/h ging es ganz kommod über Landstraßen. Während das schlanke Scout-Modell unter 200 Kilogramm wiegt, sitzen die Chief-Fahrer auf einer Vierteltonne geballter Kraft. Dass unterwegs etwas kaputt gehen kann, gehört dazu und verbindet die Fahrer. Mit Bordmitteln und Improvisationstalent werden kleine Reparaturen selbst erledigt. „Es ist schön, wenn die Fahrt problemlos verläuft, aber irgendwie ist es dann auch langweilig“, schmunzelt Saul.

Von Eva Hahner

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare