Von Woche zu Woche

Begegnungen mit Flüchtlingen

Was da gerade passiert in Deutschland und an den Außengrenzen der EU – es wird unsere Gesellschaft verändern. Auch hier bei uns, in der ländlichen Region, ahnt man es, wenn man verfolgt, was sich anderswo abspielt in der Provinz, etwa in Uelzen.

Dort sind mittlerweile die ersten Turnhallen zu Flüchtlingsunterkünften umfunktioniert worden.

Auch bei uns begegnen viele von uns den Flüchtlingen mit diffusen Gefühlen, mit einer gewissen Ohnmacht. Man will diesen Familien, diesen Männern, Frauen und Kindern, doch gerne helfen, von denen viele Grauenvolles erlebt haben, die jetzt in einer völlig fremden Welt zurecht kommen müssen. Menschen, die bei uns plötzlich nebenan leben, über die wir eigentlich so gar nichts wissen außer ihrer Herkunft – und auch das nur bruchstückhaft. Ein paar Wochen mit eingeschränkter Privatsphäre leben zu müssen, das ist sicher zumutbar angesichts des nicht enden wollenden Flüchtlingsstroms; doch weitaus weniger erträglich ist die Unsicherheit, wie es weitergehen wird.

Denn es macht fassungslos, welch erbämliches Bild die so genannte „große Politik“ bei dieser Problematik abgibt. Gewiss, mit Flüchtlingszahlen in diesem Ausmaß konnte man nicht rechnen. Doch seit Monaten ist klar, dass sich die Situation immer weiter verschärfen würde. Aber dem Bund gelingt es bis heute nicht, einigermaßen akzeptable Strukturen zu schaffen – es ist ein Versagen auf ganzer Linie. Und die Menschen vor Ort, in den Kommunen, müssen es ausbaden.

Dieses Organisationschaos bereitet vor Ort große Probleme, weil man keinen Fahrplan, kein Konzept aufstellen kann.

„Ich stelle fest, dass im Bund die Realität noch nicht angekommen ist“, hatte der Vizepräsident des Niedersächsischen Städtetages, Ulrich Mädge, jüngst mit Wut im Bauch gesagt.

Eines darf aber auf keinen Fall jetzt passieren: Dass dieses Versagen vom Bund jetzt auf die Menschen zurückfällt, die in größter Not zu uns kommen, die auf unsere Hilfe hoffen, uns ihre Familien anvertrauen. Vor Ort jetzt Herzlichkeit zu beweisen, angesichts dieser dramatischen Schicksale, nicht zuzulassen, was droht angesichts scheiternder Politik – dass nämlich die Stimmung kippt. Das kann man allen Beteiligten vor Ort nur wünschen.

Jeder einzelne kann einen Beitrag leisten – und sei es nur ein aufmunterndes Lächeln bei einer Begegnung. Auch wenn es zugegebenermaßen verdammt wenig ist.

Von Thomas Mitzlaff

Rubriklistenbild: © Koller

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