Wie Spaziergänger, Jäger und Hundebesitzer reagieren müssen

Bei Begegnung mit dem Wolf: Bloß nicht wegrennen

Begegnungen des Menschen mit dem Wolf oder gar Rudeln sind selten. Kommt es dennoch dazu, so raten Experten zum langsamen, lauten und überlegten Rückzug. Fotos (2): Zuber
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Begegnungen des Menschen mit dem Wolf oder gar Rudeln sind selten. Kommt es dennoch dazu, so raten Experten zum langsamen, lauten und überlegten Rückzug.

Altmark. Nicht nur die Meldungen von bestätigten Wolfssichtungen häufen sich derzeit, sondern auch Wolfsrisse von Wild- und Nutztieren werden von den Mitarbeitern des Wolfsmonitoring verstärkt dokumentiert.

Nachdem vor einem dreiviertel Jahr bei Munster Problemwolf Kurti traurige Berühmtheit erlangte, als er in der Lüneburger Heide durch Siedlungen strolchte, Wanderer verfolgte und schließlich einem angeleinten Hund ins Hinterteil biss, musste der lästig gewordene Isegrim auf Ministerbeschluss zum Abschuss freigegeben werden. Mitte Dezember sorgte ein weiterer Fall in Brandenburg für Aufsehen. Dieser noch namenlose Problemwolf war im Garten einer Kindertagesstätte in Rathenow gesichtet worden, wie der „Nordkurier“ berichtete. „Ein anderes Mal soll er sich laut Umweltministerium einem Kind genähert haben“, berichtet das Blatt. Derzeit gibt es 46 Wolfsrudel in Deutschland, 15 Paare und vier sesshafte Einzeltiere. Demnach gibt es 120 bis 130 erwachsene Wölfe. Zwölf Rudel leben allein in den Sachsen-Anhalt und angrenzenden Regionen. Kritiker des Wolfsmonitoring bemängeln in der Erfassung des Wolfsbestandes, dass diese stets ein Jahr zurück hinkt und sehen in Sachsen-Anhalt aktuell bereits 13 Rudel.

Vor diesem Hintergrund fragte die AZ bei der Diplom-Biologin Antje Weber nach. Sie arbeitet in Jeggau in ihrem Büro für Wilderfassung und Artenschutz. Die häufig von einigen Jägern vorgebrachte Behauptung, der Wolf wurde gezielt auf Bundesflächen (Truppenübungsplätzen) ausgesetzt, betreut, geimpft und zur Blutauffrischung mit weiteren importierten Wölfen „bereichert“, hält zumindest sie für ein Gerücht. „Die Wölfe haben sich den Lebensraum hier Stück für Stück zurückerobert. Und das nicht erst seit zehn Jahren, sondern im Laufe von über 20 Jahren seit der Wende. In der DDR wurden sie bejagt“, meint Weber. Nach Ansicht der Wildbiologin profitieren die Wölfe seit Jahren von dem strengen Schutzstatus, was ihre Reproduktionsrate vor allem in den vergangenen Jahren nach oben schnellen ließ.

Angesichts des ständig steigenden Wolfsbestandes stellt sich eine Frage: Wie sollten Spaziergänger, Jäger und Hundebesitzer reagieren, wenn sie dem Wolf begegnen? Einzelbegegnungen und Zusammentreffen zum Beispiel bei Drückjagden hat es in der westlichen Altmark bereits zuhauf gegeben. Nicht zuletzt deshalb, weil die Region zwischen Mellin und Klötze bereits „Wolfsrudel-Erwartungsland“ ist. „Der Bereich ist von den Rudeln in Ehra, Gartow und Klötze umgeben“, bestätigte Antje Weber. Entgegen vielen anderen Wolfsexperten geht die auch amtlich mit dem Wolfsmonitoring beauftragte Fachfrau aus Jeggau das Problem sehr nachsichtig an: „Ich habe volles Verständnis dafür, wenn Menschen vor dem Wolf Angst haben“, so Weber. Normaler Weise ergreifen die scheuen Räuber beim Anblick des Menschen aber die Flucht.

Problematischer kann dagegen eine Begegnung des Wolfes mit einem Hundeführer werden. Auch junge Wölfe oder Rudel könnten sich anders verhalten. „Im Grunde möchten sie vom Menschen nicht gesehen werden. Ich habe es seit Jahren nicht geschafft, einen Wolf zu fotografieren und ich bin ja wirklich dem Wolf auf der Fährte“, so Weber im Gespräch mit der AZ. Benimmt sich ein Wolf atypisch oder gar neugierig, so empfiehlt es sich laut Antje Weber stehen zu bleiben, bloß nicht wegzurennen, sich groß zu machen oder Lärm zu schlagen. Langsam rückwärts gehen, sich vorsichtig entfernen, laut sprechen, in die Hände klatschen – alles das kann unter Umständen ratsam sein.

Hundebesitzer sollten bei Wolfsbegegnungen dasselbe tun und dabei den angeleinten Hund dicht bei sich führen. Nicht an der langen Leine einem möglichen Wolfsangriff aussetzen und auch Angriffe des Hundes möglichst unterbinden.

Wölfe am Riss sollten auf keinen Fall vom Menschen gestört werden. Aggressive Reaktionen sind sonst vorprogrammiert.

Von Kai Zuber

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