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Bauern hatten es 2022 nicht leicht – Hitze, wenig Regen und Kriegsfolgen

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Von: Lydia Zahn

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Philipp Fölsch und Annegret Jacobs auf einem Feld bei Dambeck, auf dem zurzeit Winterraps angebaut wird. © Zahn, Lydia

Hohe Temperaturen, wenig Regen, die Folgen des Ukraine-Krieges – 2022 war für die Landwirte im Altmarkkreis Salzwedel wahrlich kein leichtes Jahr. Doch Philipp Fölsch, Vorstandsvorsitzender und Geschäftsführer des Betriebes Agrarprodukte Dambeck, ist guter Dinge, dass 2023 besser wird.

Salzwedel / Dambeck – Natürlich war das vergangene Jahr nicht nur schlecht. Wie die Geschäftsführerin des Bauernverbandes, Annegret Jacobs, sagt: „Es gibt immer Licht- und Schattenseiten.“ Und Licht gab es 2022, wenn auch der Schatten zu überwiegen schien. Positiv zeigte sich beispielsweise die Gerste- und Rapsernte. Für Jacobs ist außerdem „sehr positiv“, dass nach zwei Jahren Corona-Pandemie die damit einhergehenden Folgen 2022 deutlich nachgelassen hatten. So konnten wieder landwirtschaftliche Fachmessen und Treffen mit Kollegen sowie Aus- und Weiterbildungen normal stattfinden.

170 Millimeter zu wenig Niederschlag

Was zu wünschen übrig ließ, war der Niederschlag mit 400 Millimetern. Der liege sonst im Jahresdurchschnitt bei 570 – also 170 Millimeter weniger. Am meisten habe es im Februar und Dezember geregnet, ausgerechnet dann, wenn gar nicht so viel gebraucht wird. „Wir haben uns natürlich trotzdem über Regen in diesen Monaten gefreut, da dadurch der Grundwasserspiegel aufgefüllt wird“, fügt Fölsch hinzu. Damit aber auch die Böden etwas davon gehabt hätten, hätte es kontinuierlich regnen müssen. „Die Böden hier verfügen nicht über eine so hohe Wasserhaltefähigkeit wie anderswo. Das liegt daran, dass sie zu sandig sind“, erklärt der Landwirt.

„Hohe Temperaturen, wenig Wasser, das war wirklich schwierig“, pflichtet ihm auch Jacobs bei. Unter dem Wassermangel und den zwischenzeitlich starken Hitzewellen hätten vor allem die Sommerkulturen wie Mais gelitten. „Der ja auch für unsere Region besonders wichtig ist. Alleine wegen der Tierfutterproduktion“, betont Fölsch. Tierhaltende Betriebe hätten es nicht leicht gehabt, weiß er. Der Ertrag der Pflanzen hätte nur ein Drittel von einem normalen Jahr betragen, führt der Chef aus.

25 Prozent weniger Getreideertrag

Generell habe der Getreideertrag – ausgenommen Raps und Gerste – wegen der Witterung gelitten. „25 Prozent weniger“ und „nicht zufriedenstellend“, sind von Fölsch zu hören. Dafür seien die Erntequalitäten gut gewesen. Feuchte- und Proteingehalt sowie die Backeigenschaft seien besonders gut ausgefallen.

Was nicht spurlos an den Landwirten vorbeiging, war der Ukraine-Krieg. Das dürfte jeder gemerkt haben: Anfangs kein Sonnenblumenöl, Milch und Fleisch sind teurer geworden. „Das Ganze hat zu Marktverwerfungen geführt“, erklärt Annegret Jacobs. 360 Hektar Sonnenblumen wurden 2021 im Altmarkkreis angebaut, 2022 waren es 1400 Hektar. Die Bauern hatten versucht, sich auf die Lage einzustellen und zu reagieren. „So schnell ändert sich das Anbauverhältnis sonst nicht“, hebt die Bauernverband-Chefin hervor. Doch das habe nicht viel genützt, der Ertrag sei nicht so gut gewesen.

„Wir hatten sowieso geplant, 2022 mehr Sonnenblumen anzubauen, unabhängig vom Krieg. Wir wollten eine neue Kultur für die Böden ausprobieren“, erklärt Fölsch, aber: „Wir haben gemerkt, dass Sonnenblumen nicht so gut geeignet sind.“ Fölsch wolle deshalb bei Raps, Mais, Getreide, Zuckerrüben, Kartoffeln und Körnererbsen bleiben.

Mehrkosten durch Diesel, Gas und Strom

Eine weitere Folge des Krieges waren Probleme bei der Düngerlieferung, wodurch die „Kosten explodiert“ sind und „um das Vierfache angestiegen“, erinnert sich Philipp Fölsch. Dazu kamen natürlich auch die Kosten für Diesel, Gas und Energie, wodurch die Preise für Fleisch und Milch anstiegen. „Und es ist nicht so, dass wir dabei die großen Gewinner sind“, sagt Jacobs ernst. Die Mehrerlöse würden die Mehrkosten nicht decken.

Ein Gutes, wenn man das so sagen kann, habe der Ukraine-Krieg trotzdem gehabt. Laut Jacobs sei dadurch der Fokus der Menschen mehr auf die Versorgungssicherheit gelegt worden und die Frage, wo kommt das eigentlich her, nach vorne gerückt.

„Eine weitere erfreuliche Nachricht ist, dass die Winterkulturen zurzeit einen guten Entwicklungsstand haben“, verrät Fölsch, und fügt hinzu: „Das kann man zumindest schon mal optimistisch ins neue Jahr starten.“

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