Von Woche zu Woche

Dem Bahnhof hilft das alles nichts

Die Hansestadt ist raus. Sie wird den Bahnhof, der immer mehr verkommt, nicht kaufen. Das hatte die Kommunalaufsicht mit Blick in die maue Stadtkasse verboten, sodass dem Stadtrat in dieser Woche gar nichts anderes übrig blieb, als das Verbot zu akzeptieren.

Für Oberbürgermeisterin Sabine Danicke ist das bitter, schließlich war und ist der Bahnhof ihr Wahlkampfthema. Man darf gespannt sein, ob sie nun private Investoren findet.

Aber: Was dachte sich Amtsinhaberin Sabine Danicke? Dass der Stadtrat gegen das Nein der Kommunalaufsicht stimmt? Das war keine Empfehlung, sondern ein Verbot. Hätte der Stadtrat Ja zum Bahnhofskauf gesagt, wäre das bei der Prüfbehörde sowieso nicht durchgegangen. Sie hätte den kompletten Haushalt nicht genehmigt – Salzwedel wäre nicht handlungsfähig.

Für Danicke-Herausforderin Sabine Blümel, die die Oberbürgermeister-Wahl zwar mit drei Stimmen gewonnen hat, aber angesichts der im Sommer anstehenden, teilweisen Wahlwiederholung (Pretzier und Briefwahl) nun wieder bangen muss, ist das gefundenes Fressen. Natürlich nutzt sie jede Gelegenheit, ihre Nebenbuhlerin zu kritisieren. Die Stadt müsse erstmal lernen, mit Geld umzugehen, konterte sie vor dem Stadtrat und kritisierte die Finanzpolitik Sabine Danickes. Für sie ist klar: Ein Blick auf die Finanzlage lässt den Kauf des Bahnhofes einfach nicht zu. 3,5 Millionen Euro würde es kosten, die ehrgeizigen Pläne zur Reaktivierung des seit längerem nahezu leerstehenden Gebäudes umzusetzen.

Und natürlich nutzen die Danicke-Kritiker die Gelegenheit, noch eins draufzusetzen. Wie lange wusste Danicke schon vom Nein der Kommunalaufsicht? Hat sie die Politiker hingehalten? Sie wolle die Wahrheit nicht sagen, hatte Norbert Hundt (SPD) der Oberbürgermeisterin vorgeworfen.

Und: Sind die 20 000 Euro für die Machbarkeitsstudie nun in den Sand gesetzt? Sicher, die Stadt kann die Studie möglichen Investoren vorlegen, die den Bahnhof von der Londoner Kapitalgesellschaft kaufen wollen. So wird sie die 20 000 Euro rechtfertigen. Die Kritiker werden sagen, dass die Studie voreilig war.

Dem Bahnhof selbst hilft das alles nichts. „Salzwedel hat zwar einen Bahnhof, aber den Anschluss verpasst“, sagte Kanzlerin Angela Merkel vor einigen Jahren. Sollte sie doch recht behalten?

Von Ulrike Meineke

Rubriklistenbild: © Agenturfoto

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