Ruhe, Weite und Grün in der Altmark 

Autoren geben tiefere Einblicke: „In the Middle of Nüscht – go west“-Lesung im „Hanseat“

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Ammar Awaniy (2. v. r.) hatte in Letzlingen alte Verbindungen zwischen dem Orient und dem Okzident entdeckt. Auch Dr. Mieste Hotopp-Riecke, Verena Treichel und Katja Schulz erzählen in ihren Geschichten von ihren Erlebnissen in der Altmark. Moderiert wurde die Veranstaltung von Kirsten Mengewein (Mitte).

In dem regionalen Bestseller „In the Middle of nüscht“, der 2018 erschienen war, hatte sich Sibylle Sperling auf Erkundung durch die östliche Altmark begeben. Doch da das Nüscht noch mehr beinhaltet, wandten sie und ihr zwölfköpfiges Autorenteam sich nun auch der westlichen Region zu und veröffentlichten 2020 ein weites Buch unter dem Namen „In the Middle of Nüscht – go west“.

Salzwedel – Damit war die Buchlesung am Sonnabend im Hanseat sozusagen ein Heimspiel. Moderatorin Kirsten Mengewein hatte dazu vier Mitautoren zu sich auf die Bühne geladen, die ihre eigenen Eindrücke mit der Region gesammelt und diese im Buch niedergeschrieben hatten.

So war Verena Treichel nach Jahren der Abwesenheit wieder in ihr Heimatdorf Kunrau zurückgekehrt und schwärmt in ihrer Geschichte von einem faszinierenden Sternenhimmel, der sich über der Altmark erstreckt. Nirgendwo in Deutschland sei der Himmel so dunkel und leuchten die Sterne so hell wie über dem Drömling, ist sie sich sicher. Auch möchte sie als Jungbrauerin eine jahrhundertealte Tradition wieder aufleben lassen. Und erinnert daran, dass der Anbau des Hopfens die Region einst zum bescheidenen Wohlstand geführt hatte. Dr. Mieste Hotopp-Riecke beschreibt in einem Gedicht die Schönheit der Altmark und erinnert, da in Plattdeutsch niedergeschrieben und vorgetragen, an die einst geläufige Mundart dieser Region.

Einem Sprachwechsel unterwarf sich auch Ammar Awaniy, als er 2015 seine syrische Heimatstadt Homs verließ und sich in Magdeburg ein neues Leben aufbaute. Ob es auch schon früher eine Verbindung zwischen dem Orient und dem Okzident gab, fragte sich der heutige Buchautor. Und er findet die Antwort inmitten der Letzlinger Heide im gleichnamigen Ort. Auf dem örtlichen Friedhof entdeckt er einen Grabstein mit arabischen Schriftzeichen und im Jagdschloss „Hirschburg“ einen Satz Stühle mit orientalischem Stoffmuster. Ein Geschenk des Osmanischen Reichs an das preußische Königshaus, erfährt er.

Und auch Katja Schulz erfährt die Altmark. Allerdings mit einem Planwagen und dem Hossen Fritz davor. Sie und ihre Familie lernen dabei eine bis dahin für sie unbekannte Region kennen und verlieben sich in sie. Die Ruhe, die Weite und das Grün der Altmark würde sie immer wieder in Berlin vermissen, bekennt sie. Und dann irgendwo im Nirgendwo findet sie im Dörfchen Poppau, also im middle of nüscht, auch noch the middle of the world. Und das hat nicht einmal die Hauptstadt zu bieten.

Musikalisch bettete das Trio SÊKOS die Veranstaltung in die Klangwelt von Saxofone, Gitarre und Cajon.

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