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Automobil-Experten: E-Autos beim Tanken kaum noch günstiger als Verbrenner

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Von: Lydia Zahn

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E-Auto: Unterwegs schneller laden und zu Hause sparen
E-Autos werden mit Strom getankt – doch auch dieser wird immer teurer. © dpa

Dass das Tanken bei E-Autos günstiger ist, als bei Verbrennern, war bisher ein ausschlaggebender Pluspunkt für diese. Doch mit den steigenden Stromkosten scheint das nicht mehr ganz der Fall zu sein, schätzen Experten.

Salzwedel – Elektroautos – sie sollen besser für die Umwelt, in der Unterhaltung günstiger und der Verschleiß geringer sein als bei Verbrennern. Dafür laden sie teilweise lange, haben eine begrenzte Reichweite, die Ladeinfrastruktur ist ausbaufähig und der Kaufpreis höher. Es gibt Vor- und Nachteile. Was aber klar ist, dass das Tanken wesentlich günstiger ist, als bei Benzin- oder Dieselautos. Das war es zumindest. Die Automobil-Experten Uwe Ahrends und Frank Fleischhauer sind sich einig: Bei den momentanen Strompreisen ist kaum noch ein großer Unterschied zu bemerken.

Der Vorstandsvorsitzende des Automobil Clubs Europa (ACE) Sachsen-Anhalt Nord, Uwe Ahrends, sieht mehr Nach- als Vorteile für ein E-Auto – zumindest hier in der Region. „Als aller Erstes will ich sagen, dass ich E-Autos allgemein positiv gegenüber stehe. Wir müssen etwas für die Umwelt tun, nachhaltiger werden“, beginnt der Salzwedeler im AZ-Gespräch.

Dennoch gebe es einiges zu verbessern. „Die Anschaffungskosten sind einfach noch viel zu hoch“, fährt er fort. Zwar wird der Kauf eines elektrischen Automobils staatlich bezuschusst, „wie viel das aber wirklich bringt, ist Ansichtssache“. Und gerade jetzt, wo alles teurer ist, „muss man sich das gut überlegen, ob man das überhaupt finanzieren kann“. Denn auch auf dem Gebrauchtwagenmarkt würden E-Autos noch zu teuer angeboten und die Auswahl sei klein, findet Ahrends.

Ein weiteres Problem sieht er bei den Ladesäulen. Der Ausbau des Netzes sei noch nicht weit genug, das Laden dauere zu lange. Zwar gibt es auch Schnellladesäulen, dort koste die Kilowattstunde dann aber auch mehr. Und das sei auch der dritte Punkt, den er kritisch sieht: die gestiegenen und noch steigenden Stromkosten.

An dieser Stelle springt Frank Fleischhauer, Regionalbeauftragter vom ACE Sachsen-Anhalt Nord, mit ein. „Der Strom ist mancherorts um die 60 Prozent teurer geworden. Zwar sind auch die Spritpreise gestiegen, aber ich habe schon Preise von fast einem Euro pro Kilowattstunde gesehen“, erklärt Fleischhauer. Bei öffentlichen Ladesäulen müsse gut aufgepasst werden, vor allem beim Schnellladen.

„Vor knapp einem Jahr hat sich das auf alle Fälle gelohnt, ein E-Auto zu holen, jetzt nur noch, wenn ausschließlich zu Hause getankt würde“, schätzt der Regionalbeauftragte ein. Wenn zwei Mittelklasseautos (Elektrisch und Verbrenner) vergleicht werden, liege der Kostenunterschied für den Verbrauch beziehungsweise das Tanken nur minimal auseinander. Anders wenn an der heimischen Wallbox geladen wird, das sei dann immer noch günstiger als der Sprit an der Tanke.

Uwe Ahrends fasst zusammen: „In größeren Städten würde sich ein E-Auto eher lohnen, als hier im ländlichen Bereich, weil die Strecken kürzer und das Netz besser sind.“ Potenzial sehe er eher bei Brennstoffzellenautos mit Wasserstoff. Zwar seien auch diese noch zu teuer und die Tankmöglichkeiten alles andere als flächendeckend, „doch kommt das eher für mich in Frage“.

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