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Ausschuss tagte wie im Mittelalter

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Von: Holger Benecke

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Der Bauausschuss tagte im historischen Ambiente des Bürgermeisterhofes. © Benecke, Holger

Es wird gern vom digitalen Zeitalter gesprochen – alles soll aufgerüstet werden: die Verwaltung, die Schulen, das öffentliche Leben. Die, die davon sprechen, haben von ihren Bürgern Tablets spendiert bekommen, rascheln aber während ihrer Sitzungen mit Papier herum. So brütete am Montag der Bauausschuss während seiner Tagung im Bürgermeisterhof über Karten und Plänen, die außer der illusteren Runde niemand zu Gesicht bekam. War ja außer der Presse auch kein Bürger da. Die kommen schon lange nicht mehr, weil sie gar nicht mitbekommen, wovon die Ausschuss-Selbstbeschäftigungsrunden reden.

Salzwedel - Zumal auch vorher niemand wusste, was ihn erwartet, wenn er zur öffentlichen Sitzung geht. Einwohnerfragestunde, Bericht der Verwaltung, Anfragen / Anregungen – soweit die Ankündigung, die niemand vom häuslichen Hocker reißt, um der Sitzung beizuwohnen. Doch der Bericht der Verwaltung wäre für viele Salzwedeler spannend gewesen. Da wurde der Erstentwurf des Lönsstraßenausbaus vorgestellt. Hätte bestimmt die Salzwedeler interessiert, die dort wohnen. Selbst, wenn Zuhörer anwesend gewesen wären, hätten diese nur wenig mitbekommen, was am Ausschusstisch über den Plänen durcheinandergeredet wurde.

Ein Beamer wäre durchaus hilfreich gewesen. Auch sowas hat die Stadt. Bezahlt von den Bürgern, die davon nun nichts haben. Dafür machte die Sitzung dem historischen Tagungsort, in dem seit dem 16. Jahrhundert die Bürgermeister gewohnt haben, alle Ehre. Das digitale Ausschuss-Zeitalter war noch weit weg.

Auch drei bauliche Varian-ten zum Entschärfen des Unfallschwerpunktes Brückenstraße wurden sich angeguckt, aber auch nicht gezeigt. Dann ging es noch um eine Hochspannungsleitung „von Nord nach Süd“. Aber da wisse man noch nichts Genaues, einen Korridor gebe es, und Baumatsleiterin Martyna Hartwich kämpfte mit einer großen knitterigen Karte. Wo dieser Korridor durch die alte Hansestadt verlaufen soll – etwa entlang der Thälmannstraße oder quer durch Tylsen – der geneigte Zuhörer blieb erneut im Dunkeln sitzen.

Auch eine Anfrage im Rathaus mit der Bitte um Zusendung der digitalen Dateien der im Gremium der öffentlichen Sitzung herumgereichten Karten – damit sich die Salzwedeler über die Zeitung ein Bild machen können – fiel mehr als jämmerlich aus. Lediglich eine Querschnittszeichnung der Lönsstraße wurde geschickt – alles andere: Fehlanzeige.

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