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Ausgaben um mehr als 50 Prozent gestiegen: Salzwedeler Familienhof muss Preise anpassen

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Von: Lydia Zahn

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Chefin Inge Schnöckel (v.l.), Pressesprecherin Louisa Mayer und Verwaltungsleiter Raphael Fischer bleiben trotz der Umstände positiv gestimmt. © Zahn, Lydia

Der Familienhof hat wie viele andere Einrichtungen auch mit den gestiegenen Preisen zu kämpfen. Um mehr als 50 Prozent hätten sich die Betriebskosten erhöht. Nun hofft die Familienbildungsstätte auf Förderungen.

Salzwedel – Dass alles teurer geworden ist, dürfte inzwischen jeder zu spüren bekommen haben. Der wöchentliche Einkauf ist entweder teurer oder die Menge weniger geworden. Das neue Hemd oder die neue Bluse kostet plötzlich auch mehr als vorher. Der Gang zum Imbiss oder ins Restaurant will gut überlegt sein. Und die Heiz- und Strompreise tun ihr Übriges. Das merken nicht nur Firmen oder Otto Normalverbraucher, sondern auch soziale Einrichtungen (wir berichteten). So auch der Familienhof in Salzwedel, der seit über 25 Jahren für Familien da ist. Wie Verwaltungsleiter Raphael Fischer verrät, sind die Betriebskosten um mehr als 50 Prozent gestiegen, im Vergleich zum vergangenen Jahr. Das Team um Leiterin Inge Schnöckel sieht keinen anderen Weg, als die Preise zu erhöhen.

Einsparen nur bis zu einem gewissen Grad

„Wir sparen schon“, sagt Fischer. In der Erhöhung von mehr als 50 Prozent seien die vorgenommenen Einsparungen schon mit drin, sonst würden die Kosten wohl noch höher ausfallen. Büro- oder nicht stark genutzte Räume würden bereits weniger beheizt, erklärt der Verwaltungsleiter. Aber verdeutlicht: „Man kann Schwangere und Babys nicht in kalte Räume setzen.“ Die müssten auch weiterhin kuschelig warm bleiben.

Um die gestiegenen Kosten wenigstens ansatzweise wieder hereinzuholen, sollen die Preise für die Kurse angehoben werden. „Es wird darauf hinauslaufen, dass sie leicht steigen. Da werden wir nicht drum herumkommen“, sagt Fischer ernst. Dennoch sollen die Anpassungen moderat bleiben und somit für die Familien erschwinglich bleiben. Eine weitere Hoffnung auf Entlastung ist ein offener Brief an das Land, in dem Familienzentren in Sachsen-Anhalt fordern, dass Gelder, die für zwei Zentren gedacht waren, die schließen mussten, unter den anderen aufgeteilt werden. Dazu gebe es aber noch keine konkreten Informationen, führt die Familienhofleiterin Inge Schnöckel aus.

„Das Ganze ist natürlich eine Herausforderung, die nicht einfach ist. Wir machen uns da schon sorgen, wie es weiter geht“, gesteht die Chefin. Und was dem Team außerdem aufgefallen ist: Die Besucherzahlen der Kurse gehen zurück. Bei den wöchentlichen Kursen – beispielsweise Pekip, die Musikgärten oder auch der Mittwochstreff – sei das zwar nicht zu bemerken, dafür aber bei nicht regelmäßig stattfindenden Angeboten.

„Vielleicht ist es eine generelle Unsicherheit, und die Menschen sind sich nicht sicher, was alles noch kommt, welche Rechnungen noch zu Hause einflattern. Vielleicht trauen sich die Leute deshalb nicht an Neues heran“, spekuliert Louisa Mayer. Die Sozialpädagogin ist seit knapp drei Monaten unter anderem für die Pressearbeit im Familienhof zuständig. In diesem Zusammenhang sei aber erwähnt, dass nicht jeder Kurs eine Gebühr vorsieht. Durch Förderungen können auch Veranstaltungen kostenlos angeboten werden.

Jeden Donnerstag kostenlose Babysachen

Um Familien in diesen schweren Zeiten unter die Arme zu greifen, macht Inge Schnöckel auf die hauseigene Kleiderkammer aufmerksam. Im „Storchennest“ können Eltern für Babys bis Größe 104 kostenlos Kleidung bekommen (um eine Spende von einem Euro wird gebeten). „Das ,Storchennest‘ wird gerade jetzt immer wichtiger. Die Babys brauchen ja etwas zum Anziehen, vor allem wenn es kälter wird“, sagt Schnöckel. Geöffnet ist die Kleiderkammer jeden Donnerstag – außer während der Ferien – von 15 bis 17 Uhr.

Trotz der schwierigen Umstände bleibt das Familienhof-Team hoffnungsvoll und positiv gestimmt. „Dass soziale Einrichtungen gerade jetzt bestehen bleiben, ist so wichtig, damit Familien auch weiterhin eine Anlaufstelle haben“, verdeutlicht Mayer.

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