„Aus Landwirten werden Industrielle“

Udo Kunz (l.) und Eckehard Schulz von der Bürgerinitiative informierten gestern im Dährer Gemeindebüro über die Aktivitäten zum Bau eines Blockheizkraftwerkes in Eickhorst. Foto: Zuber

Eickhorst / Dähre. Im Dährer Ortsteil Eickhorst soll zusätzlich zu der bereits bestehenden 500-Kilowatt-Biogasaltanlage ein Blockheizkraftwerk (BHKW) mit einer Leistung von weiteren 350 Kilowattstunden gebaut werden. Die örtliche Bürgerinitiative (BI) mit Udo Kunz und Eckehard Schulz an der Spitze warnt vor den Folgen dieser Anlagen-Erweiterung.

Viele Einwohner befürchten den Kollaps des kleinen Ortes: Zwischen 2500 und 3000 Lastwagenfuhren mit Gülle, Silage und Gärresten könnten jährlich durch den Ort rollen, um die Anlagen am Laufen zu halten. „Außerdem haben die Betreiber aus Bokel kaum Bezug zur Region und zusätzlich noch Kapazitätsprobleme. Sie haben zwar etwa 600 Rinder, aber nur rund 300 Hektar Fläche“, erklärte Eckehard Schulz während der jüngsten Info-Veranstaltung gestern in Dähre. Als Folge dessen sind weitere Transporte entlang der schmalen Landstraßen nötig. Sie gehen meist über Dähre, Eickhorst, Dülseberg und Winkelstedt. „Das halten unsere ohnehin schon maroden Straßen nicht aus. Von dem Lärm und Gestank kaum zu schweigen“, ergänzt Udo Kunz.

Zu den bereits vorhandenen Anlagen soll nun offenbar noch ein weiterer 8000 Kubikmeter großer Behälter gebaut werden. Nicht nur hier werden Gefahren für die nahe Dumme befürchtet. „Das Hauptproblem des neuen Projektes ist aber, dass nicht einmal die Auflagen des ersten Vorhabens vor rund zehn Jahren erfüllt wurden“, ärgert sich Kunz. Dass in den zuständigen Ämtern im Landratsamt Salzwedel nun auch ganze Mappen mit wichtigen Unterlagen verschwunden sind, kann Eckehard Schulz furchtbar auf die Palme bringen: „Die Abteilungen arbeiten alle nur ihr Teilgebiet ab. Niemand schaut dabei über den Tellerrand und betrachtet die Anlage als Ganzes. Kontrollen gibt es nicht“, sagt Schulz. Dann nämlich hätte man längst gesehen, wie unsinnig viele Transporte nötig sind, weil die Betreiber Achim und Jan-Wilhelm von der Ohe einfach nicht genug Fläche für ihre Anlage vorhalten können.

Aus Sicht von Udo Kunz ist die Region längst zu dicht mit solchen Anlagen bebaut: Neuerdings kommen noch Standorte in Höddelsen, Abbendorf und Dähre hinzu. „Die hohen Renditen von bis zu 20 Prozent machen aus Landwirten Industrielle und aus den Flächen traurige Monokulturen“, ergänzt Udo Kunz. Er sieht langfristig das Problem, dass Biogas-Bauern auch die Pachtpreise der Flächen in die Höhe treiben. Wer anders, also nachhaltig wirtschaften will, ist aus dieser Pers-pektive kaum mehr konkurrenzfähig. Insgesamt fordert die BI eine Gesamtbetrachtung der Eickhorster Anlagen nach den neuen Standards des Bundesimmissionsschutz-Gesetzes, die ab 2012 in verschärfter Form gelten. In Eickhorst geht derzeit die Angst um: „Um die Kapazitätsprobleme in den Griff zu bekommen, befürchten wir die Anlieferung von Hühnermist aus Holland und den Bau einer Hähnchenmastanlage zur Nutzung der Abwärme. Wer weiß, was da noch kommt …“, betonte Udo Kunz. Die BI will weiter wachsam bleiben. Die Gemeinde hat ihre Zustimmung für das neue Projekt in Eickhorst versagt. „Wir werden in den nächsten Tagen den Ämtern einmal eine Gesamtdarstellung aller Eickhorster Anlagen vorlegen“, kündigte Udo Kunz an. Denn: Eickhorst soll auch für seine Urenkel einmal lebenswert sein, betonte er.

Von Kai Zuber

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