Das letzte Altenheim in Sachsen-Anhalt ist passé / Vita setzt auf selbstständiges Wohnen im Alter

Aufatmen: Verkauf vom Tisch

Marion Vongehr-Bülow (r.) und Sylvia Vogt präsentieren den neuen Vita-Kalender, für den wieder Heimbewohner Modell standen. Die Goethestraße 9 (im Hintergrund) ist das letzte Altenheim in Sachsen- Anhalt. Dort soll künftig selbstständiges Wohnen im Alter mit Vita-Betreuung möglich sein.

Salzwedel. Die Tage des letzten Altenheimes in Sachsen-Anhalt sind gezählt. An der Goethestraße 9 wohnen nur noch zwei betagte Damen. Die Vita gGmbH will das Haus für das so genannte neue Wohnen herrichten.

Die Ein- bis Drei-Raum-Wohnungen werden mit Miet- und Servicevertrag an Senioren abgegeben, erläuterte gestern Vita-Geschäftsführerin Marion Vongehr-Bülow.

Die künftigen Bewohner werden dort für eine Servicepauschale von 30 Euro im Monat für zwei mal zwei Stunden pro Woche betreut und können auch den Gemeinschaftsraum an der Goethestraße 4 nutzen. Zudem fahren die Betreuer mit den Senioren zum Bauernmarkt, zum Gänseessen, in den Märchen- und den Tierpark sowie nach Tylsen, erläuterte Sylvia Vogt, die diesen Bereich bei der Vita koordiniert.

Apropos Goethestraße 4: In dem Neubau sind alle 14 Wohnungen belegt, es gibt bereits eine Warteliste. Die Bewohner haben sich bestens eingelebt. Wie Elke Machholz berichtete, hätten die Senioren den Gemeinschaftsraum für den Jahreswechsel genutzt und festgestellt: „So ein schönes Silvester haben wir noch nie gefeiert.“

Der größte Grund zum Feiern war für die Stadttochter Vita jedoch, als im vergangenen Jahr klar wurde, dass Salzwedel aus der Konsolidierung heraus ist. Denn die Vita war das Faustpfand, das spätestens 2018 hätte eingelöst – sprich verkauft – werden müssen. Ein Umstand, der bei den Bewohnern der Vita-Einrichtungen und den Mitarbeitern für große Ängste gesorgt hat. „Die alten Leute standen weinend im Büro. Und die Mitarbeiter hätten am liebsten auch geheult – aber sie haben den Senioren Mut gemacht“, schilderte Marion Vongehr-Bülow die dramatische Lage. Umso hörbarer war dann das Aufatmen, als der drohende Verkauf vom Tisch war. Auch die Stammkapitalentnahme der Stadt aus dem Vita-Topf ist damit Geschichte.

120 Mitarbeiter betreuen in den Vita-Einrichtungen 150 Heimbewohner, 49 Senioren in Wohnungen und zehn Männer und Frauen in der Tagespflege. Hinzu kommt der ambulante Dienst, der am 1. Februar vergangenen Jahres seinen ersten Geburtstag hatte. Und auch die Vita als solche feierte 2013: Die Stadttochter wurde am 23. September 20 Jahre alt. Zuvor wurde am 1. Juli das neue betreute Wohnen oder selbstständiges Wohnen im Alter an der Goethestraße 4 eingeweiht.

Von Holger Benecke

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