Peter Döbler las seine Lebensgeschichte von der Flucht von Kühlungsborn nach Fehmarn

Auf der Flucht gab es zum Essen Kakaobrei

zwei männer
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Peter Döbler (l.) las aus dem Roman von Rob Lampe seine Lebensgeschichte. 25 Stunden benötigte er schwimmend von Kühlungsborn nach Fehman.
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Von Oliver Becker

Salzwedel - Es ist oft das Leben, das die spannendsten Geschichten schreibt, findet auch der Krimiautor Rob Lampe. Zusammen mit dem Protagonisten seines aktuellen Buches, „Kurs NordWest“, das erst vor ein paar Tagen erschienen war, gab er im Hotel „Siebeneichen“ eine erste Lesung. Gewissermaßen eine Besonderheit, denn die Hauptgestalt des Romans gibt es in persona und hört auf den Namen Peter Döbler, ist Arzt und nannte Rostock einst seine Heimat.

Roman basiert auf Tatsachen

Lampes Buch ist ein Tatsachenroman, denn es basiert zu einem überwiegenden Teil auf die Erlebnisse von Peter Döbler. Ereignisse, die fast genau um 50 Jahre zurückliegen und im 60. Jahrestag des Mauerbaus dem Buch zusätzliche Brisanz verleihen. Es beschreibt die Flucht des Rostocker Arztes von Kühlungsborn nach Fehmarn über eine Distanz von 50 Kilometer und über einen Zeitraum von 25 Stunden (die AZ berichtete). Somit einen Tag schwimmt der damals 31-Jährige um sein Leben und für eine bessere Zukunft. Denn in der DDR sieht er diese nicht mehr. Der sozialistische Staat hatte ihm alles genommen. Erst nach dem Tod seines Vaters durfte er studieren, der Beruf zerstörte seine Ehe und das System verweigerte ihm eine berufliche Zukunft. Als er gegenüber seinem Professor bemerkte, dass er ein ganzes Wochenende Dienst absolvieren müsse, um von diesem Lohn einen Maler für einen halben Tag Arbeit zu bezahlen, entgegnete ihm dieser: „Wenn sie einen weißen Kittel tragen wollen, dann werden Sie doch Maler.“

Ein Ausspruch, der seine Fluchtabsichten in die Tat umsetzen ließ. Kurios, als ein Gast der Lesung bemerkt, dass seinem Vater im Winter 1966 eben in einem Malerkittel die Flucht von Dahrendorf nach Harpe über die Grenze gelang. Der Malermeister hatte seinen Berufsanzug als Tarnanzug im Schnee zweckentfremdet.

„Wie haben Sie sich auf der Flucht ernährt?“, will eine Besucherin von dem damaligen Republikflüchtling wissen. „Von vier Tafeln Sarotti-Schokolade, die allerdings, da ich sie auf meiner Brust unter meinem Neoprenanzug getragen habe, zu einem dickflüssigen Kakaobrei geworden war.“ Was er während dieser Zeit getrunken hätte, wurde gefragt. „Nur das salzige Wasser der Nordsee, und das unfreiwillig“, erinnert er sich an die entbehrungsreichen 25 Stunden. Orientiert hätte er sich zunächst mithilfe eines Kompasses, und als dieser den Dienst versagte, nach den Sternen und dem Mond. Schon als Siebenjähriger habe ihn sein Vater unterrichtet, wie man sich ohne technische Hilfsmittel trotzdem gut orientieren könne.

Eine Ausbildung, die ihm auf seiner Flucht zugutekam. Wann der Alarm ausgelöst wurde und er im wahrsten Sinne des Wortes gejagt wurde, lautet die nächste Frage. Ungefähr sechs Stunden, nachdem er ins Wasser gegangen sei, ging der Alarm los. Eine Patrouille mit Hunden hatte seine zurückgelassenen Sachen in einem Weißdornbusch entdeckt und den Alarm ausgelöst. Darauf setzte die Hatz mit Suchscheinwerfern von Land aus und mit Suchbooten ein. „Hatten Sie einen Moment, an dem Sie aufgeben wollten?“, lautet die nächste Frage. „Nein“, entgegnet der heute 81-Jährige. „Nicht einen Moment, denn ich hatte mich nicht nur physisch auf diesen großen Tag vorbereitet, sondern auch mental.“

Dann auch wieder so eine Geschichte. Denn 1994 lernt er einen der Männer auf den Kapverden im Urlaub kennen, der damals in einem der Boote saß, die ihn 1971 gejagt hatten.

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