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Auch die Salzwedeler hamstern Öl und Mehl

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Von: Ulrike Meineke

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Regal
Ob Edeka, Lidl oder Aldi: In Salzwedels Supermärkten sind Sonnenblumenöl und Mehl weitgehend vergriffen. Zum Teil werden die Waren reglementiert. © Meineke

Andere Länder, andere Sitten – und vor allem andere Prioritäten. Während die Franzosen Wein und Kondome hamstern, deckt man sich in Holland mit Marihuana ein – nach dem Motto „Kiffen gegen Krieg und Corona“. Die Deutschen (und auch die Salzwedeler) horten aktuell ganz offensichtlich Öl und Mehl. Denn beides ist in den Supermärkten der Stadt kaum oder gar nicht mehr zu finden, wie ein AZ-Test ergab.

Salzwedel - Der Hintergrund ist eher nicht Corona, sondern der Krieg in der Ukraine, denn Deutschland importiert 94 Prozent dieses Öls, zum Großteil aus Russland und der Ukraine. Die „Kornkammer Europas“ und das kriegführende Land produzieren 11,5 bzw. 16,8 Prozent des Weizen-Weltmarktes. Probleme in der Logistik, weil etwa Lieferketten unterbrochen sind oder Lkw-Fahrer wegen Corona ausfallen, tragen ihr Übriges zur Situation bei.

Irrationale Spirale

Für die derzeitigen Hamsterkäufe gibt es vermutlich zwei Hauptgründe: Zum einen will man sich bevorraten, weil es vielleicht bald gar kein Öl und Mehl mehr gibt. Zum anderen wird gehortet, weil man explodierende Preise vermutet. Wie dem auch sei – Hamsterkäufe erzeugen künstliche Engpässe, die die Preise nach oben treiben – eine völlig irrationale Spirale, wie immer wieder von Politikern und Verbraucherschützern beklagt wird.

Ein Blick in Salzwedels Supermarktregale zeigt: In der Hansestadt ist es wie derzeit überall in Deutschland – Sonnenblumenöl und Weizenmehl sind Mangelware. Alles andere gibt es reichlich und im bekannten Überfluss.

Zettel in den Regalen

Und wer etwas mehr ausgibt, bekommt auch Öl, aber eben nicht das gängige und preiswerte. Zum Teil werden die knappen bis aktuell nicht vorhandenen Waren sogar reglementiert: Edeka zum Beispiel geht offensiv mit dem Thema um und hat in das Raps- und Sonnenblumenöl-Regal einen Zettel gehängt. Der Discounter bittet die Kunden, pro Haushalt nur eine Flasche mitzunehmen, und begründet dies mit Lieferschwierigkeiten. Aldi hat zwar auch wenig bis kein Öl und Mehl, aber wenn ausreichend da wäre, werden dort maximal „2 Stück pro Kunde“ abgegeben.

Zur Beruhigung: Es gibt überall ausreichend Nudeln und Klopapier, auch bei anderen Lebensmitteln oder Hygieneartikeln konnte der AZ-Test keinen Mangel finden.

HINTERGRUND

Diese Lebensmittel könnten knapp werden

• Eier: „Alarmstufe rot“ heißt es vom Bundesverband Ei.
Er mahnt: „Die deutsche Eierwirtschaft kann die Versorgung mit Eiern aus Deutschland spätestens ab Sommer nicht mehr sicherstellen.“ Grund sind die explodierenden Preise für Futtermittel.
• Mehl: Russland und die Ukraine gehören zu den größten Exporteuren von Weizen.
• Hefe: Wie auch schon zu Beginn der Corona-Krise ist an einigen Orten die Hefe vergriffen. Abermals ist anzunehmen, dass die Bevölkerung zurzeit verstärkt backt und die Vorratsschränke füllt.
• Gurken und Tomaten: Angesichts der gestiegenen Energiepreise wird derzeit mit einem Rückgang der heimischen Produktion gerechnet. Viele Gewächshäuser bleiben derzeit leer, die Aufzucht lohnt sich aufgrund hoher Energie-, Dünge- und Personalkosten nicht.
• Sonnenblumenöl: Die Ukraine ist eines der wichtigsten Exporteure von Sonnenblumen- und Rapssaaten.
• Milch: Wer auch künftig genfreie Milch trinken möchte, könnte auf eine knappe Auswahl treffen. Denn: Das Kraftfutter für die Tiere wurde aus der Ukraine und Russland importiert und ist derzeit nicht verfügbar.
• Honig: Die Ukraine ist eines der wichtigsten Honig-Importländer. Laut bienenprodukte-versand.de droht ein Versorgungsengpass. Quelle: 24hamburg.de

KOMMENTAR

Leere Regale: Horten ist schizophren

VON ULRIKE MEINEKE

So sind wir Deutsche. Kaum kündigt sich ein Mangel an, werden wir zu Hamstern und bevorraten uns. Das gibt natürlich niemand zu, aber ein Blick in die Salzwedeler Supermarktregale beweist es. Krieg und Corona – wer weiß, was noch kommt, und wer in Quarantäne ist, braucht ganz offensichtlich nicht mehr wie zu Pandemiebeginn einen Vorrat an Klopapier und Nudeln. Jetzt horten wir Öl und Mehl. Die gute Nachricht: Es gibt Alternativen. Und zwar reichlich. Und der Blick in die Supermarktregale zeigt auch: Es ist alles im Überfluss da. Außer eben Öl und Mehl. Damit kann man wohl leben. Mich erinnerte der Gang durch die Discounter an die DDR-Zeit, an die nicht vorhandene Produktvielfalt. Und ich dachte darüber nach, was die Menschen in Kiew und in den anderen ukrainischen Städten nicht haben. Und welche Folgen dieser Krieg für Länder in Afrika haben mag. Und wir horten Öl und Mehl. Das ist irgendwie schizophren.

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