Unvollendetes Kunstwerk mit einer Handbreit Unkraut unter dem Kiel

Arme Altperverstraße in Salzwedel: Kreis hinterlässt Ruinenschutt

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Die segellose Salzwedeler Kogge: Das nicht vollendete Palettenkunstwerk hat immer eine Handbreit Unkraut unter dem Kiel.

Salzwedel. Das zweite Salzwedeler Stadtpicknick – diesmal an der Altperverstraße – wirft seine Schatten voraus. Schatten im wahrsten Sinn des Wortes. Denn die einstige erste Einkaufsadresse der alten Hansestadt ist nur noch ein Schatten seiner selbst.

Keine Kunst, kein Biotop – simpler Bauschutt, den der Altmarkkreis zurückgelassen hat, nachdem die Ruinengefahr beseitigt war.

Auch das Bemühen der Bürgerschaft selbst, mit herausgeputzten Häusern wieder Glanz in die vergessene Straße mit dem Stiefmütterchendasein zu bringen, sind Einzelaktionen. Dank der Industrie- und Handelskammer (IHK) blieb die Alte Münze nicht nur erhalten, sondern ist ein Schmuckstück mit Veranstaltungen von Kultur und Wirtschaft. Auch die Stadt selbst hat sich an der Altperverstraße versucht, was mit dem „Hanseat“ hervorragend gelungen ist.

Dafür ging der Versuch, die Baulücke daneben mit Kunst zu schließen, gründlich ins Beinkleid. Denn dass der hohe Bretterzaun kein solcher ist, sondern eine Hansekogge darstellen soll, überzeugte zwar auf dem Papier die Jury, die den Künstlerwettbewerb beurteilte. Doch dann dann ging das Geld aus und der Kogge fehlen bis heute die Segel, sodass das Gesamtkunstwerk in keiner Weise zu erkennen ist. Zumal das Hanse-Symbol keine Handbreit Wasser unter dem Kiel hat, stattdessen gleitet sie segellos über Unkraut. 

Unkraut ist auch das Stichwort einige Grundstücke weiter. Gegenüber des IHK Standortes, wo sich die Wirtschaft die Klinke in die Hand gibt, wuchert bereits im zweiten Jahr Gras über den Schutt der ehemaligen Nr. 17. Kein schöner Eindruck von der Hansestadt. Der Altmarkkreis hatte die Ruinen aus baupolizeilicher Sicht niederlegen lassen – es drohte Gefahr für Leib und Leben für Passanten. Pfeiler und Wände, die in aufwendigen statischen Berechnungen für gut befunden wurden, blieben stehen. Der Bauschutt blieb liegen, wird nicht weggeräumt. Das spart Steuergeld.

Auch der Brauhausschimmer, der über dem benachbarten Wande’schen Eck aufzog, hat inzwischen Grünspan angesetzt. Eine Ruine mehr. Da kann selbst das beste Essen und das tollste Stadtpicknick am 21. Juni von 11 bis 14 Uhr mit den edelsten Absichten nur wenig an der Altperverstraße aufwerten – erst einmal muss der Dreck weg.

Von Holger Benecke

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