Kündigung vor Weihnachten / Arbeitslos ab Ende Juli / Verhandlung erst Mitte Oktober möglich

Arbeitsrichter am Limit: „Sie sind hier in Sachsen-Anhalt“

Salzwedel / Stendal. Die Arbeitsrichter in Stendal sind am Limit. Arbeitnehmer, die Prozesse gegen ihren Rausschmiss führen wollen, müssen Wartezeiten in Kauf nehmen, die den Klägern den Teppich unter den Füßen wegziehen.

Jüngstes Beispiel: Drei Tage vor dem Christfest bekam die Leiterin des Salzwedeler Christlichen Jugenddorfwerkes (CJD), Barbara Quast, den Stuhl vor die Tür gesetzt. Neue Strukturen, war die offizielle Begründung von Seiten des CJD dafür, dass gerade jene Frau, die das Christliche Jugenddorf in Salzwedel aufgebaut und über 20 Jahre geleitet hat, gehen soll (wir berichteten).

Quast wehrt sich gegen die Kündigung. Gestern sollten sich beide Parteien vor dem Stendaler Arbeitsgericht einigen. Der Anwalt des CJD bot die Standardabfindung an. Quast will aber bleiben, weiter in einer adäquaten Stelle beim CJD arbeiten oder eine höhere Abfindung. Das wiederum lehnt die Gegenseite ab.

Da es zu keiner gütlichen Einigung kam, setzte Arbeitsrichter Peter Bundschuh einen Kammertermin an – für Mitte Oktober. Staunen und Raunen im Gerichtssaal. „Sie sind hier in Sachsen-Anhalt“, nahm Richter Bundschuh kein Blatt vor den Mund. Seit 1994 sei am Stendaler Arbeitsgericht kein Richter mehr eingestellt worden. Ein Kollege wäre zudem zum Landesarbeitsgericht abgeordnet worden. Denn dort seien die Stellen von elf auf vier heruntergefahren worden, so Bundschuh. Und weiter: „Dort wird noch rigoroser gearbeitet als beim CJD.“

Zahlreiche Beschwerden der überlasteten Juristen – Peter Bundschuh bearbeite pro Jahr mindestens 150 Fälle – hätten nichts gebracht. Bundschuh: „Die Reaktion vom Land ist gleich Null.“ Dabei sei er noch der schnellste Arbeitsrichter am Stendal Gericht. Bei einem Kollegen hätten sie vielleicht im März 2016 einen Kammertermin bekommen“, sagte er an Barbara Quast gewandt.

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Rubriklistenbild: © dpa

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