Braunschweiger Straße: Und täglich grüßt die Baustelle – seit einem halben Jahr

Anwohner im Straßenkampf

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Christiane Riedmüller und ihre Enkeltochter Esmeralda stehen an einem der wenigen Aufgänge zum intakten Fußweg stadteinwärts rechts an der Braunschweiger Straße. Ist der Aufschwung geschafft, türmt sich ein noch höherer Berg auf.

Salzwedel. „Meine schwere Einkaufstasche bleibt im Auto. Ich nehme nur die Scheibe Wurst mit, die ich brauche. “ So beschreibt Iris Fuchs die Situation für die Anwohner an der aufgerissenen Braunschweiger Straße.

Salzwedel. „Meine schwere Einkaufstasche bleibt im Auto. Ich nehme nur die Scheibe Wurst mit, die ich brauche.“ So beschreibt Iris Fuchs die Situation für die Anwohner an der aufgerissenen Braunschweiger Straße.

Jeden Abend, wenn sie von der Arbeit kommt, muss sie sich irgendwo im Umfeld der Baustelle einen Parkplatz suchen, denn auf ihr Grundstück kommt sie nicht. Zudem sind nun auch noch die Anfahrten eingeschränkt – so gilt für den Wiesenweg als hintere Zufahrt für die Felixstower Straße & Co. eigentlich ein Durchfahrtsverbot und rund um die Baustelle wurden wie am Marschfeld zusätzlich Halteverbotsschilder aufgestellt, beklagen die Betroffenen. Und das wird auch kontrolliert.

Kein Durchkommen: Selbst Politiker scheitern

Nicht kontrolliert werden hingegen große Holzlaster, die sich auch tagsüber den Weg durch die Baustelle bahnen, kritisiert Fuchs Zustände, mit denen sie und ihre Nachbarn schon seit Baubeginn Anfang November leben müssen. „Dabei hatte man uns während der Anliegerversammlung im Vorfeld versprochen, dass dieser Zustand nur kurz anhalten werde“, ärgern sich die Anlieger. Und auch dass von 6 bis 18 Uhr sowie sonnabends gearbeitet werden soll, sei ihnen gesagt worden. Iris Fuchs schildert die Realität: „Von 8 bis 16 Uhr, freitags ist Mittag Schluss und sonnabends kommt gar keiner.“

Die Anliegerin Iris Fuchs hat sich schon an das Bauamt, die Oberbürgermeisterin und Linken-Fraktionschefin Gabriele Gruner zum Vor-Ort-Termin eingeladen. Die kam auch, kam aber nicht ran. „Ich bin auch schon auf allen Vieren durch die Baustelle als im Januar drei Wochen lang die Straßenlampen ausgefallen waren“, schildert Iris Fuchs die Situation. Und: Der geplante Besuch ihrer Kinder zu Weihnachten und zu Ostern fiel aus – da diese auch zwei kleine Kinder haben, konnten sie durch die Baustelle nicht zur Oma gelangen.

Zurzeit werden auf beiden Seiten Borde gesetzt und stadteinwärts rechtsseitig Gräben geschachtet und der Aushub daneben aufgetürmt – für die Anlieger weitere Hindernisse. Denn sie müssen über die Straße, weil sie im Wohngebiet auf der anderen Seite ihre Autos geparkt haben. Zwar gibt es ab und an aufgeschüttete Rampen, doch auch dort ist für Kinderwagen zum Beispiel gar kein Durchkommen, ohne einen Absturz befürchten zu müssen. Auch in Richtung Innenstadt zu gelangen, ist auf der linken Seite für Behinderte und Mütter mit Kinderwagen eher eine Abenteuer-Safari, da dort der Gehweg weggerissen ist.

Weiter bemängeln die Anlieger geplante Grünstreifen: „Wer soll die pflegen? Stattdessen wären breitere Gehwege besser gewesen.“ Auch ist die Angst der Anlieger groß, dass bald die Fahrzeugkarawanen über ihre neue Straße düsen und der Verkehr ihnen das Leben unerträglich macht. Nämlich dann, wenn ihre Straße fertig ist und die Thälmannstraße ausgebaut wird. „Die wenigsten scheren sich um die Verbotsschilder und alle haben Navi – das sucht schon die kürzeste Strecke“, ist sich Iris Fuchs sicher.

Verwaltung meint: „Sicherlich hinderlich“

Kommentar aus dem Rathaus dazu: „Jedes Grundstück ist erreichbar. Einschränkungen durch Bauarbeiten sind sicherlich hinderlich, aber leider unvermeidbar. Es wird darauf geachtet, dass diese Einschränkungen möglichst gering ausfallen.“

Die Anlieger haben auch dem Petitionsausschuss des Landtages geschrieben. Sie fordern 100 000 Euro von der Landesstraßenbaubehörde. Diese hatte die Holperpiste gegen die neue, städtische Brückenstraße getauscht. Auch die Stadt hatte finanziellen Nachschlag gefordert – war aber gescheitert.

Von Holger Benecke

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