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Salzwedel: Stammtisch der Ideen kritisiert Beziehung zu den Ortschaften

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Von: Lydia Zahn

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Zu hitzigen Diskussionen kam es am Mittwochabend in Liesten. Marco Heide (hinten rechts) und Cathleen Hoffmann (hinten Mitte) hatten zum Stammtisch der Ideen mit dem Thema „Starke Dörfer, starke Stadt?“ eingeladen. © Zahn, Lydia

Um die Stadt und ihre Dörfer drehte es sich am Mittwochabend in Liesten. Marco Heide (Linke) und Cathleen Hoffmann (Bündnis 90 / Die Grünen) hatten zu einer neuen Runde des Stammtischs der Ideen eingeladen. Und dass das Thema Dorf die Bürger bewegt, wurde schnell klar und die Diskussion hitzig.

Salzwedel / Liesten – Als Gäste waren der Liestener Ortsbürgermeister Ulrich Keitel, Andrea Leonhardt vom Heimat- und Kulturverein Tylsen sowie Gustav Gehrke, Vorsitzender des Sportvereins Brietz, mit dabei. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde ging es auch schon ans Eingemachte. Als Hoffmann Bürgermeisterkandidat Marco Heide fragte, was er als Stadtoberhaupt ändern würde, erwiderte dieser, dass grundlegende Probleme gelöst werden müssten.

Nicht gesehen und nichts sagen dürfen

So etwa, dass die Dörfer wieder mehr Entscheidungsgewalt bräuchten und nicht mehr von der Stadt von oben herab behandelt werden dürften. Dem stimmten Anwesende zu. „Wir fühlen uns wie Anhängsel. Wir haben das Gefühl, nicht gesehen zu werden“, bestätigte Leonhardt Heides Worte in Bezug auf die Dorf-Stadt-Beziehung. Dem schloss sich auch Waldbadvereinsvorsitzender Andreas Weigelt an: „Wir als kleine eingemeindete Ortschaften haben nichts mehr zu sagen.“

Als das Gespräch in Richtung EEG-Umlage und den Windpark in Liesten ging, erklärte Heide, dass er dafür kämpfen wolle, dass mindestens 50 Prozent der damit gewonnenen Gelder an Liesten gehen sollten. „Wieso nur 50 Prozent? Das Geld gehört komplett nach Liesten“, ärgerte sich ein Anwohner. Das sehe Heide zwar ebenfalls so, aber auch das Problem, 100 Prozent im Stadtrat durchzubekommen. Und kaum ging es um Gelder oder eben nicht geflossene, kam das Waldbad zur Sprache. Ein Anwohner beschwerte sich, dass Liesten von der Stadt mit dem Bad hängen gelassen worden sei. „Ihr solltet euch was schämen in der Stadt“, hieß es aus den Reihen. „Das ist lächerlich hoch neun.“ Oder: „Das ist unhaltbar, was im Stadtrat abläuft.“

Schimmelproblem jahrelang ignoriert

Dass keine Hilfe und Unterstützung von der Kernstadt kommt, scheinen viele Anwohner so zu sehen. Ein weiteres Beispiel sei die Feuerwehr. So wäre der Stadt mehrfach gemeldet worden, dass das Gerätehaus und der Versammlungsraum von grünem Schimmel befallen seien. „Doch unternommen wurde nichts. Und das seit fast acht Jahren“, unterstrich ein Liestener. Ortsbürgermeister Ulrich Keitel erklärte, dass das Problem mit dem Versammlungsraum gelöst worden sei, weil die Stadt diesen verkauft hätte. „Dadurch haben wir aber ein neues Problem. Denn jetzt haben wir keinen Raum mehr für Treffen der Feuerwehr und des Ortschaftsrates“, sagte Keitel ernst.

Als Lösungen habe Heide klare Punkte vor Augen, legte er den Anwesenden dar. Zum Beispiel ein Verwaltungsangestellter, der sich nur um Protokolle der Ortsräte, Angelegenheiten der Dörfer und den Kontakt mit den Ortsbürgermeistern kümmert. Eine mobile Verwaltung, die zu den Dorfgemeinschaftshäusern fährt, um bürokratische Angelegenheiten mit den Anwohnern zu klären. Außerdem müssten das Kulturangebot und Veranstaltungen der Stadt auch auf die Ortschaften verteilt werden. Das steigere die Lebensqualität und mache die Dörfer attraktiver, findet Heide. So könne mehr für Stadt und Land geworben werden.

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