22-Jähriger zieht seinem Kontrahenten eine Flasche über den Kopf und gibt an, überfallen worden zu sein

Streit unter Russen: Angeklagter sieht sich als Opfer nach einer Prügelei

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(Symbolfoto)

klü Salzwedel. Eine Prügelei unter Russen, Schussverletzungen und ein Schädel-Hirn-Trauma – die Gerichtsverhandlung gestern in Salzwedel hatte einiges zu bieten. Allerdings wollte sich der Angeklagte erst nicht erinnern.

Der 22-Jährige, der auf der Anklagebank Platz nehmen musste, sah sich selbst als Opfer: „Ich wurde angegriffen und habe daher mit der Flasche zugeschlagen.“ Diese Aussage wurde durch das 23-jährige Opfer widerlegt.

Dieser habe am Tatabend im Mai mit Freunden in einer Wohnung an der Hopfenstraße etwas getrunken. Als sie draußen standen, sei der Angeklagte aufgetaucht und habe einen Freund von ihm angegriffen, schilderte der 23-Jährige. Er selbst sei dazwischengegangen und habe den Angeklagten getreten, bis dieser den Rückzug antrat.

Als der Angeklagte kurze Zeit später erneut auftauchte, zog er dem 23-Jährigen eine Flasche über den Kopf. Das Ergebnis: eine Schnittwunde quer über das Ohr und ein Schädel-Hirn-Trauma. Im Anschluss verschwand der Angeklagte erneut. Und rief von sich aus ein paar Straßen weiter den Rettungsdienst. „Ich war ja auch schwer verletzt“, warf der Angeklagte ein. Und erinnerte sich plötzlich während der Verhandlung, dass er während der ersten Prügelei mit einer Schreckschusswaffe angeschossen worden war.

Im Krankenhaus erzählte er der Polizei damals etwas völlig anderes. „Uns wurde gesagt, er sei hinter dem Kino von zwei Männern niedergeschossen worden. Bei der Tatortuntersuchung haben wir aber nichts gefunden“, gaben die Polizeibeamten als Zeugen zu Protokoll. Und bescheinigten dem 22-Jährigen, dass er trotz eines Wertes von 2,04 Promille nicht den Eindruck eines Betrunkenen gemacht hatte.

Am Ende verurteilte Richter Dr. Klaus Hüttermann den 22-Jährigen, der bereits zwei Eintragungen wegen gefährlicher Körperverletzung hat, zu sechs Monaten Haft auf drei Jahre Bewährung.

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