Erst verprügelt, dann verlobt / Urteil: Geldstrafe

Amtsgericht Salzwedel: Mann schlägt Freundin mehrere Zähne aus

Salzwedel / Diesdorf – Dieser Fall vor dem Amtsgericht in Salzwedel am Freitag hatte es in sich und sorgte bei Richter, Staatsanwältin und Publikum gleichermaßen für so manches Fragezeichen.

Angeklagt war ein 50-Jähriger, mittlerweile in Magdeburg wohnhaft, für das Zusammenschlagen seiner Freundin im Dezember des vergangenen Jahres in Diesdorf.

Die Frau verlor durch die Fäuste des Mannes mehrere Zähne, erlitt eine zertrümmerte Nase sowie möglicherweise ein Schädel-Hirn-Trauma und hat auf beiden Augen nur noch die halbe Sehkraft. Das für Außenstehende Unglaubliche: Die 43-jährige Rentnerin (aufgrund einer Nervenkrankheit) lebt bis heute mit dem Angeklagten zusammen und sei mit ihm verlobt. Der Angeklagte sprach sogar von Heirat im kommenden Jahr. Letzteres wolle sein Opfer nun aber doch nicht.

Bei dem Vorfall im Dezember 2018 waren noch eine weitere Frau und vor allem viel Alkohol im Spiel. Zu dritt hätten sie ordentlich getrunken, erinnerte sich das Opfer an jenen Abend in Diesdorf. Zwischendurch sei noch mehr Nachschub geholt worden, darunter auch ein Kasten Bier. Allein die andere Frau soll eine Flasche Korn intus gehabt haben, beschrieb die Frau dem Gericht.

Dann nahmen die Ereignisse ihren Lauf. Weil sich die Bekannte an ihren Freund herangemacht haben soll, wollte sie die beiden aus der Wohnung werfen. Aber der Kasten Bier, den der Mann schon gepackt hatte, sollte dortbleiben. Daraufhin soll der Angeklagte die Frau mit dem Kasten umgestoßen, sich auf sie draufgesetzt und mit den Fäusten auf sie eingeschlagen haben, hieß es vor Gericht.

„Ich habe gedacht, der bringt mich um“, sagte das Opfer über die Ereignisse. „Ich hatte meine Zähne in der Hand.“

Der 50-Jährige gab die Vorwurfe zu, wollte sich aber an nichts konkret erinnern – er sei damals stark alkoholisiert gewesen. Auch sein Techtelmechtel mit der anderen Frau spielte er herunter. Er habe sie erst an diesem Abend kennengelernt. „Ich habe sie nur massiert. Da ist doch nichts dabei“, meinte er. Dem Gericht vorliegende Nachrichten von den Telefonen der Beteiligten belegten etwas anderes, so der Richter.

Gericht und Anklage staunten nicht schlecht, dass Opfer und Täter miteinander verlobt seien und zusammen wohnen würden. Was die 43-Jährige nicht davon abhielt, in einem künftigen Zivilprozess Schmerzensgeld zu verlangen. „Obwohl Sie aus einer Kasse wirtschaften?“, fragte der Richter ungläubig nach. „Auch wenn er mein Verlobter ist, muss er bestraft werden“, so die geschädigte Frau. Der Anspruch auf Schmerzensgeld wurde vom Angeklagten anerkannt.

Der Mann hatte bereits 19 Einträge in seinem Strafregister. Das Bild seiner zugerichteten Freundin erzeugte bei Gericht und Staatsanwaltschaft Grausen. Dennoch wurde er letztlich lediglich für einfache Körperverletzung bestraft – 120 Tagessätze zu je 13 Euro. Das Gericht war hiermit dem Antrag der Anklage gefolgt, obwohl der Richter in seiner Urteilsverkündung zugab, an Haft gedacht zu haben. Und daran, dass der Mann und die Frau vermutlich gemeinsam nach Magdeburg zurückfahren.

VON JENS HEYMANN

Rubriklistenbild: © picture alliance /dpa/Peter Steffen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare