„Das Verfahren ist tot“

Amtsgericht Salzwedel: Freispruch für Ebay-Nutzerin

Der Hauptverhandlungssaal im Amtsgericht Salzwedel.
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Der Hauptverhandlungssaal im Amtsgericht Salzwedel.
  • Jens Heymann
    vonJens Heymann
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Weil sie angeblich eine teure Flasche Wein auf der Verkaufsplattform Ebay angeboten, nach erfolgtem Verkauf aber nicht verschickt hat, saß am Freitag eine Frau aus der Verbandsgemeinde Beetzendorf-Diesdorf auf der Anklagebank des Salzwedeler Amtsgerichts. Zu viele offene Fragen, vor allem seitens von Ebay selbst, sorgten am Ende jedoch für einen Freispruch.

Salzwedel – Der Vorfall ereignete sich im November 2019. Dieselbe Flasche soll einmal in die Schweiz und ein anderes Mal ins Emsland verkauft worden sein. Letzterer Fall war nun Gegenstand der Verhandlung. Höchstgebot: rund 650 Euro. „Ich bin mir keiner Schuld bewusst. Ich habe nichts gemacht“, versicherte die Angeklagte. Sie habe noch nie etwas bei Ebay verkauft, meinte sie, obwohl sie nicht aussagen wollte.

Ein Spezialist vom Landeskriminalamt hatte sich derweil durch die Kontodaten und -bewegungen der Angeklagten gearbeitet. Vieles blieb aber Vermutung, so der Eindruck. Ein Eingriff von außen auf das Konto der Frau lag daher letztlich im Bereich des Möglichen, was die Staatsanwaltschaft in ihrem Plädoyer berücksichtigte und einen Freispruch beantragte. In einem Kommentar rügte Richter Klaus Hüttermann die Auskunftspraktiken von Ebay. Das Unternehmen schütze seine Nutzer offenbar sehr stark – eben auch vor der Justiz zum Nachteil von ehrlichen Kunden.

„Wir sind ganz oben an der Oberfläche geblieben. Das Verfahren ist tot“, stellte Hüttermann die juristische Aufarbeitung ein. Dann sprach er die Angeklagte frei. Das Urteil ist rechtskräftig.

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