Bewährung für zwei Afghanen

Amtsgericht Salzwedel: Erst Ehebruch, dann Schädelbruch

Salzwedel – Das Salzwedeler Amtsgericht hat gestern zwei Afghanen wegen gefährlicher Körperverletzung zu Bewährungsstrafen verurteilt.

Die beiden Männer hatten im Sommer 2018 einen Landsmann im Supermarkt an der Uelzener Straße brutal zusammengeschlagen, sodass dieser unter anderem einen Schädelbasisbruch erlitt (wir berichteten).

Richter Dr. Klaus Hüttermann folgte in seinem Urteil damit größtenteils dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Bewährungszeit beträgt jeweils zwei Jahre, ansonsten droht den beiden Männern ein Jahr Haft. Das Urteil ist noch nichts rechtskräftig.

Nachdem sie in der Vorwoche noch nicht zur Aussage bereit waren, schilderten die beiden Angeklagten gestern nun ihre Sicht der Dinge. Er sei von Stendal nach Salzwedel gefahren, um den späteren Geschädigten zur Rede zu stellen, meinte der 34-Jährige. Denn das 23-jährige Opfer hatte ein Verhältnis mit seiner Frau angefangen und öffentlich verliebte Bilder im Internet veröffentlicht.

Später hätte dieser außerdem 5000 Euro für das Löschen der Bilder verlangt. Alles Vermitteln durch Verwandte habe nichts genützt. Also machte sich der Angeklagte auf den Weg, um die Sache aus der Welt zu räumen, bevor seine Eltern von der in seinen Augen großen Entehrung erfahren würden. „Seit zwei Jahren schikaniert er mich. Dieser Mensch zerstört mein Leben“, sagte er unter Tränen vor Gericht aus.

Den zweiten Angeklagten, einen 26-jährigen Verwandten, habe er unterwegs getroffen, schilderte der Afghane. Diesem täte die ganze Sache leid; er hätte nur mit dem Opfer reden wollen.

Beide relativierten in ihren Einlassungen die Ereignisse. Der 26-Jährige wollte gar überhaupt nicht handgreiflich geworden sein. Stattdessen sei der Geschädigte selbst gestürzt und habe eine Scheibe im Supermarkt zertreten.

Dem schenkte das Gericht aber wenig Glauben. Zu schwer die Verletzungen des Opfers, zu plastisch die Aussagen der Zeugen im Supermarkt. Mehr noch: Richter Hüttermann erklärte in der Urteilserläuterung, dass er nur auf ein falsches Wort der beiden Angeklagten gewartet habe. Wäre etwa der Verdacht aufgekommen, die beiden Angeklagten hätten sich auf den Weg nach Salzwedel gemacht, um den Landsmann zum Schweigen zu bringen, hätte er den Prozess in Salzwedel sofort beendet und als versuchten Totschlag dem Landgericht Stendal übergeben.

„Mag sein, dass Ehebruch im islamischen Kulturkreis schwer bestraft wird, aber auch dort ist Selbstjustiz ausgeschlossen“, so Hüttermann. Auf diesen Umstand hatten die beiden Pflichtverteidiger in ihren Plädoyers hingewiesen: Das Veröffentlichen von Bildern mit sich und der Ehefrau eines anderen sei eine schwere Provokation gewesen, sagten sie.

VON JENS HEYMANN

Rubriklistenbild: © dpa-tmn/Picture-alliance/Arne Dedert

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