Bewährung für Angeklagten / Staatsanwalt und Richter knöpfen sich Zeugenduo vor

Amtsgericht Salzwedel: 32-Jährige schweigt sich um Kopf und Kragen

Salzwedel – Ein eigentlich wenig spektakulärer Prozess um die angebliche Fahrerflucht eines jungen Salzwedelers ist gestern vor dem Amtsgericht verhandelt worden.

Mit dem Ergebnis, dass eine Zeugin für eine vermutete Falschaussage nun eine härtere Strafe befürchten muss als der eigentliche Angeklagte.

Der Reihe nach: Der junge Mann musste sich auf der Anklagebank wegen mehrerer Fahrten ohne Führerschein sowie wegen Pflichtversicherungsverstoßes und Urkundenfälschung verantworten. Die drei Taten waren im Herbst 2018 passiert.

Zwei Zeugen, Mutter und Tochter, sollten gestern vor Gericht Licht in einen der drei Fälle bringen. Ihr Auto war nämlich offensichtlich in eine Fahrerflucht verwickelt gewesen, sodass kurz darauf die Polizei vor der Tür stand. Im Verdacht: Der Angeklagte, der zu jener Zeit keinen Führerschein besaß.

Die beiden Frauen konnten oder wollten sich jedoch an nichts Konkretes erinnern. Richter Dr. Klaus Hüttermann hielt der 32-Jährigen und der 52-Jährigen immer wieder das Polizeiprotokoll von damals vor. Er wollte beispielsweise wissen, ob mit dem Angeklagten telefoniert worden sei und wie überhaupt jemand so einfach an den Autoschlüssel gekommen sei. Aber die Antworten der Zeuginnen blieben vage. Sie könnten dazu nichts sagen, betonten beide.

Staatsanwalt Thomas Kramer platzte schließlich der Kragen: „Sie halten uns wohl für doof. So einen Mist hört man wirklich selten.“ Und fuhr dann schwere juristische Geschütze auf. Würden die Zeuginnen nicht endlich mitmachen, bekämen sie ein Verfahren wegen Falschaussage an den Hals. Richter Hüttermann verpasste der Mutter eine Denkpause, die diese dann nutzte und kooperierte. Ihre Tochter schwieg. Diese haue niemanden in die Pfanne, begründete die Mutter.

Der Angeklagte erhielt am Ende für zwei der drei Anklagen elf Monate auf Bewährung, aber keine Führerscheinsperre.  hey

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