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Abgemagert bis auf die Knochen: Amt nahm Siebdrucker Schweine weg

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Von: Lydia Zahn

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Schweine
Fühlen sich sauwohl: Insgesamt sechs Schweine aus der Zucht des Angeklagten wurden vom Veterinäramt an den Salzwedeler Tierpark zum Aufpäppeln gegeben. © Zahn, Lydia

Dem Vorwurf, dass er seine Tiere vernachlässigt und nicht ausreichend gefüttert habe, wodurch diese in einen schlechten, wenn nicht sogar lebensbedrohlichen Gesundheitszustand gerieten, musste sich am Dienstag ein 51-jähriger Angeklagter stellen.

Salzwedel – Der selbst ernannte Künstler und gelernte Siebdrucker betreibt seit Jahren eine Schweinezucht. Dem Salzwedeler Veterinäramt gefiel der Zustand von sechs Tieren jedoch überhaupt nicht, weshalb ihm diese weggenommen, und er selbst vor Gericht gestellt wurde.

Verstoß gegen das Tierschutzgesetz lautet die Anklage gegen den Beschuldigten aus einem Salzwedeler Ortsteil. Die Verhandlung, die am Dienstag eröffnet wurde, wird sich voraussichtlich noch über zwei Fortsetzungstermine hinziehen, bevor es zu einem Urteil kommen könnte. Knapp vier Stunden dauerte der Auftakt. Es gab viele Zeugen, weitere sollen noch vorgeladen werden. Die Aussagen sprachen dabei nicht gerade für den Angeklagten.

„Beratungsresistent und unbelehrbar“

Begonnen hatte alles im Oktober 2020, als das Veterinäramt dem Siebdrucker und seinen Schweinen einen Besuch abstattete – reine Routine. Dabei fiel den beiden Tierärzten der besonders schlechte Gesundheitszustand von sechs Tieren auf, sie waren abgemagert. Die Ärzte ermahnten den 51-Jährigen, mehr Getreide zu verfüttern. Nur Eicheln, Mais und ab und zu ein Apfel würden nicht ausreichen. Einen Tag später kamen die Ärzte zur Nachkontrolle. Die Tröge waren leer. Dazu kam, dass der Angeklagte auf die Experten unbelehrbar wirkte. Grund genug für sie, ihm die Tiere wegzunehmen.

Vor Gericht erklärte der 51-Jährige nun, dass er seine Tiere schlank und beweglich halten wolle. Deshalb gebe er weniger Futter, dennoch so viel, dass es für alle Schweine reiche. Er habe alles versucht, um die sechs Schwachen wieder aufzupäppeln. Da dies aber nicht gelang, vermutete er E-Coli-Bakterien, die dafür sorgen würden, dass die Schweine nicht zunehmen. Er war sich sicher, die Tierärzte hätten ihn auf dem Kieker und würden Tatsachen verdrehen.

Die angewandte Zuchtmethode des Angeklagten habe schon mehrere Tierärzte stutzig werden lassen. Keiner wolle mehr zuständig beziehungsweise verantwortlich für die Herde sein, warf Richter Dr. Hüttermann ein. Und: Der Angeklagte habe regelmäßig die medizinische Versorgung seiner Tiere verweigert, erklärte der vormals zuständige Tierarzt vor Gericht.

„Es ist kein wünschenswerter Zustand, dass ein Schwein fett ist“, meinte der Angeklagte. Seit 2005 sei das bereits sein Hobby. „Ist das eine Inzuchtherde?“, wollte der Richter daraufhin wissen. „Das ist eine Familienherde“, lachte der Beschuldigte. „Würden Sie sagen, dass es Ihnen über den Kopf gewachsen ist?“, hakte der Vorsitzende weiter nach. „Nein, am Anfang ja, aber 2020 nicht“, versicherte der 51-Jährige.

Beide Tierärzte vom Veterinäramt kamen vor Gericht zu einer deckungsgleichen Einschätzung: „Man sah sämtliche Knochenvorsprünge, die Tiere waren einfach zu dünn.“ Und der ehemals zuständige Tierarzt ist sich sicher: „Es kam zu vermindertem Wachstum durch unpassende alters- und artgerechte Ernährung und fehlende Behandlung von Parasiten. Der Angeklagte war beratungsresistent und unbelehrbar.“

Ärzte und Pfleger hätten falsch gehandelt

Nachdem die Schweine im Oktober 2020 vom Veterinäramt an den Salzwedeler Tierpark übergeben worden waren, hätten sie sich schnell wieder erholt, schilderte der ebenfalls befragte Tierpark-Chef. „Wenn man die Fotos vergleicht, vorher und nachher, spricht das Bände“, unterstrich er.

Der 51-jährige Angeklagte reagierte darauf empört. Schließlich sei eines der Tiere wenig später gestorben, nachdem es im Park angekommen war, warf er ein. Es wäre sich nicht richtig um das Schwein gekümmert worden, behauptete er sogar. Die Ärzte und der Tierpark-Chef wiesen diese Vorwürfe entrüstet zurück. Sie vermuten: Der Stress sei für das bereits geschwächte und unterernährte Tier zu viel gewesen.

Nun sollen weitere Zeugen gehört werden, will die Verteidigerin. Diese könnten die Unschuld ihres Mandanten, dass er seine Tiere richtig gefüttert habe, belegen. Der Fall soll am Freitag, 13., sowie am Dienstag, 31. Mai, fortgesetzt werden.

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