Schmied Bruno Sill legt das Eisen ins Feuer

Altperverstraße: Arbeiten am ASA-Haus sind abgeschlossen

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Bruno Sill schürt bei seiner Arbeit als Schmied ein Feuer.
  • VonLydia Zahn
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Das Dach des Vereinshauses des Arbeitskreises Salzwedeler Altstadt (ASA) erstrahlt in neuem Glanz. Die Reparaturen konnten nun nach rund vier Monaten abgeschlossen werden. Doch es wartet noch reichlich Arbeit auf die Vereinsmitglieder.

Salzwedel – Das Vorhaben der ASA wurde mit 165 000 Euro gefördert, 20 000 Euro musste der Verein selbst aufbringen. Diese wurden durch Eigenleistung gedeckt. Die Mitglieder hatten sich nach Bewilligung der Gelder für die Dachsanierung der Nummer 28 der Altperverstraße entschieden. Das Haus rechts daneben, Nummer 26, gehört ebenfalls zur ASA. Da Vorstandsvorsitzender Enrico Dannies aber davon ausgegangen war, dass die finanziellen Mittel nicht für beide Häuser reichen würden, entschieden sie sich für das baufälligere – die Nummer 28. Doch die Freude war groß, als am Ende noch genug Geld übrig blieb – genauer gesagt rund 50 000 Euro – um das Dach des benachbarten Hauses ebenfalls neu eindecken zu können.

Das Dach des ASA-Domizils an der Altperverstraße, Nummer 26, in Salzwedel wurde gestern abgedeckt.

Am Montag begannen die Mitglieder, das alte Dach abzutragen. Mit dabei Bruno Sill. Der gelernte Huf- und Wagenschmied ist bereits seit knapp 20 Jahren Teil der ASA. Im Alter von 15 hatte der heute 80-Jährige seine Ausbildung bei Schmiedemeister Gustav Lehmann in Jübar begonnen. „Dort habe ich gearbeitet, bis 1962 die LPG, also die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft, kam“, erklärt Sill im AZ-Gespräch. Bis 1964 arbeitete er dort noch weiter, bevor er im November für eineinhalb Jahre zur Armee ging.

Danach arbeitete Sill ein halbes Jahr in der Salzwedeler Pumpe als Betriebsschlosser, anschließend bis 1991 als Hufschmied in Ritze. „Danach hatte ich mehrere Stellen“, erinnert sich Sill. Mit 60 Jahren, im Jahr 2001, ging er in den wohlverdienten Ruhestand. Was ihm aber besonders in Erinnerung geblieben ist, waren die Schmiedearbeiten für die Feiern der Partnerschaft von Jübar und Maria Lankowitz (Österreich). Oder auch für das Lipizzanergestüt.

25 Jahre ASA: Bruno Sill schmiedete die Buchstaben und Zahlen sowie die Verzierung für das Andenken.

2007 wurde der Huf- und Wagenschmied dafür nach Jübar berufen. Seit 1965 wohnte er bereits nicht mehr dort, sondern in Salzwedel. Zum zehn-jährigen Bestehen der Partnerschaft des Dorfes und Maria Lankowitz, sollte Sill ein Hufeisen schmieden. „Das war knapp 20 Zentimeter groß und zum Aufhängen gedacht“, weiß der 80-Jährige. Die Arbeit kam so gut an, dass er 2017 zum 20-jährigen Bestehen noch einmal das Eisen ins Feuer legte.

Der Bürgermeister von Maria Lankowitz war von der Arbeit so begeistert, dass er den Schmied nach Österreich einlud. Dort schmiedete Sill den Spruch „Tritt ein und bring Glück herein“ für das JUFA-Hotel. Außerdem kleine Hufeisen sowie Herzen als Souvenir für die Besucher der Veranstaltung des Lipizzaner Almabtriebs. Dabei treten die Lipizzaner-Junghengste von der Stubalpe in Maria Lankowitz, wo sie die Sommermonate verbringen, ihren Heimweg nach Piber an.

Das Gestüt spendierte ihm eine Vorstellung der Spanischen Hofreitschule in Wien. „Dort waren wir als Ehrengäste eingeladen. Da, wo die roten Polstersitze sind, durften wir dann Platz nehmen und uns die Show angucken“, berichtet er lächelnd.

Huf- und Wagenschmied sowie ASA-Mitglied Bruno Sill schmiedete die Lampen am Lüchower Tor.

Auch für das ASA-Haus war der 80-Jährige nicht untätig. „Ich habe die Haken und Bänder für die restaurierte Tür geschmiedet“, erzählt er. Und freut sich: „Dass man noch gebraucht wird, hält mich zusammen.“Aber auch die Lampen am Lüchower Tor ersetzte Bruno Sill. „Die sind noch richtig genietet“, sagt er stolz. Zwei fertigte er für das Tor und eine für das ASA-Domizil selbst.

Dort sind die Mitglieder für die nächsten Wochen erst einmal mit dem Dach beschäftigt. „Wir wollen immer ein Stück von zwölf Metern in der Länge bearbeiten, die Bauplanen ziehen und Dachlatten fixieren. Dann kommt eine Firma, nimmt die Plane wieder ab, befestigt die Unterspannfolie und legt die Dachlatten“, erklärt Enrico Dannies. Die Dachziegel – Biberschwänze, die einmal auf der Salzwedeler Marienkirche und dem Kirchturm in Altensalzwedel lagen – stehen schon auf dem Grundstück bereit. Diese müssen aber vorher sortiert werden. Wie lange die Arbeiten noch dauern, kann Dannies nicht genau sagen.

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