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Altmarkkreis Salzwedel: Bluten für die Ballungsgebiete

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Von: Holger Benecke

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Jens Reichardt, Fraktionschef der Freien Liste. © Zähringer

„Wenn vom ländlichen Raum Solidarität erwartet wird, dann muss der ländliche Raum aber auch Solidarität erfahren.“ Kreistagsabgeordneter Jens Reichardt, Fraktionschef der Freien Liste, spricht hier insbesondere die gerade diskutierte „Resolution zur Stärkung der Verkehrsinfrastruktur und überregionalen Anbindung der Altmark“ an. Und wird konkret: „Dem ländlichen Raum wird viel zugemutet. Es wird erwartet, dass wir nach dem zweigleisigen Ausbau der Amerika-Linie rund 270 Züge, zumeist Güterzüge, rund um die Uhr ertragen.“

Altmarkkreis Salzwedel - Doch Reichardt geht noch weiter: Wenn in Deutschland zwei Prozent der Fläche für alternative Energien benötigt werden, dann entstehen Solar- und Windparks nicht in den Ballungszentren, sondern im ländlichen Raum. Wo dann aus den zwei Prozent ganz schnell vier bis sechs Prozent werden, blickt der Abgeordnete auf Bedenken, die regional beim Bau großer Anlagen hochkommen.

Digitalausbau und Atommüllendlager

„Dabei haben wir noch gar nicht von Gasspeichern oder Atommüllendlagern gesprochen“, macht Reichardt den Zirkelschlag um die gesamte Bandbreite, die den ländlichen Raum, explizit aber den Altmarkkreis treffen könnten. Dafür werde Solidarität erwartet. „Dann fordern wir aber auf anderen Gebieten auch Solidarität ein“, sagt er.

Und macht das an Beispielen deutlich. Der alternative Strom für die hervorragend vernetzten und an Autobahnen angebundenen Ballungszentren werde auf dem platten Land erzeugt, auf dem der Digitalausbau und die Verkehrsinfrastruktur hinterherhinkten.

Noch ein Beispiel, dass der altmärkische Kreistagsabgeordnete ins Feld führt: Die Bundeswehr hat für rund 140 Millionen Euro – 40 Millionen Euro teurer als veranschlagt – eine Übungsstadt in der Letzlinger Heide bekommen. Doch die Hubschrauber üben nicht dort, sondern am Grünen Band entlang. „Was dem ländlichen Raum zugemutet wird, muss ausgeglichen werden“, will nicht nur Jens Reichardt.

Seine Fraktion hatte entscheidend an der jüngsten Resolution mitgearbeitet. Ähnlich wie zuvor schon bei der im Dezember zum Thema IRE, die an Land, Bund und die Eisenbahn ging. Konkret stand dabei der Erhalt der IRE-Strecke Berlin-Hamburg (über Salzwedel) zur Debatte. Der Landrat, der dafür den Auftrag vom Kreistag hat, sei an der Sache dran, so Reichardt.

Inter-City in die andere Richtung

Die Wahrscheinlichkeit, den Inter-Regio-Express zu erhalten, sei aber gering, hatte der Abgeordnete als Antwort erhalten. Doch es scheine sich eine andere Möglichkeit aufzutun. Und diese gehe in Richtung Inter-City (IC). Die Landesregierung ticke in dieser Richtung etwas anders. Während die Altmärker mit der Anbindung nach Berlin und Hamburg sehr zufrieden sind, verfolge Magdeburg eine andere Richtung – nämlich die Strecke nach Halle-Leipzig aufzuwerten. Und zwar als IC. Reichardt: „Ich könnte damit leben, wenn ich in Stendal einen vernünftigen Anschluss habe, und nicht eine Dreiviertelstunde auf den Zug nach Berlin warten muss.“

VW-Bushaltestelle am Tor Ost

Einen Inter-City-Express (ICE) über Salzwedel werde es wohl nicht geben. Dafür müsse die Strecke komplett mit niveaufreien Bahnübergängen ausgebaut werden. Bei der Anzahl der Überfahrten im ländlichen Raum seien das immense Kosten, so der altmärkische Kreistagsabgeordnete.

Wenig passiert sei in der Sache, das Niedersachsen-Ticket auf den Salzwedeler Raum auszuweiten. Die sollte, so will es auch der Kreistag, ein Anfang sein. Doch das wird wohl eine härtere Nuss sein, die zu knacken ist, schätzt Reichardt ein. Denn dafür müssten generell die Tarifgrenzen aufgebrochen werden, kommentiert der Fraktionschef der Freien Liste im AZ-Gespräch.

VW Tor Ost
Das Wolfsburger VW-Werkstor Ost: Kreistagsabgeordneter Jens Reichardt will, dass die Linie 300 aus Salzwedel diesen Punkt ansteuert. © Agenturen

Einmal so schön in Fahrt, legt der Abgeordnete gleich noch einmal nach. Und hat dabei die Linie 300 der kreiseigenen Personenverkehrsgesellschaft (PVGS), den Bus, der im Stundentakt nach Wolfsburg und zurück fährt, im Blick. „Warum hält der nur in der Stadt und unter der Woche nicht auch am Tor Ost des VW-Werkes?“, fragt Jens Reichardt nach. Er hatte mit einigen VWlern aus der Altmark gesprochen, die dieses Angebot gerne nutzen würden. Die Freie Liste werde an diesem Thema dranbleiben, verspricht der Fraktionsvorsitzende.

Fahrradfreundlich: Es scheint zu schleifen

Ebenso an dem Beitritt zur Arbeitsgemeinschaft „Fahrradfreundliche Kommune“. Das ist zwar vom Kreistag so gewollt, doch nach Reichardts Ansicht schleife das ein wenig. Dadurch könne der Kreis Kosten sparen. So könnten Konzepte über die Arbeitsgemeinschaft mit Universitäten vereinbart werden. Studenten hätten ein Bachelor-Thema und würden nur einen kleinen Obolus bekommen, oder wie Reichardt formuliert: „für schmales Geld“. Im Gegensatz dazu würden, wenn die Ämter oder gar ein Planer eingespannt werden müssten, weitaus höhere Summen anfallen.

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