Bürokratie und Bauern-Mobbing

Altmärkische Landwirte demonstrieren in Magdeburg für mehr Respekt für den Berufsstand

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Altmärkische Landwirte machten sich am heutigen Dienstag im Rahmen bundesweit stattfindender Demonstrationen mit ihren Traktoren auf den Weg nach Magdeburg, um sich bei der Politik Gehör zu verschaffen. 

Altmark/Magdeburg – Lautes hupen, Treckerknattern, aufgebrachte Bauern. Sachsen-Anhalts Landwirte zeigten am heutigen Dienstag in Magdeburg was 'ne Harke ist. Rund 500 Traktoren, darunter 70 aus dem Landkreis Stendal und 68 aus dem Altmarkkreis, rollten zunächst auf dem Domplatz an.

„Unser Protest ist der Versuch, uns bei der Politik Gehör zu verschaffen“, sagt Bernd Hartstock, Landwirt aus Kassuhn, der mit rund 100 Kollegen aus dem Altmarkreis angereist war.

„Wir wollen Landwirte bleiben und den Betrieb an den Nachwuchs weitergeben“, fügt Christoph Plötze aus Grieben hinzu. Allerdings wisse er nicht, ob er den Beruf mit ruhigem Gewissen seinen Kindern empfehlen kann. Mit ihm waren ebenfalls rund 100 Landwirte aus dem Landkreis Stendal nach Magdeburg gekommen.

Überbordende Bürokratie, überzogene Verbote, zum Beispiel beim Düngen, ein schlechtes Image des Berufes, lassen den Bauern den Frust bis zur Halskrause stehen. „Die meisten, die über uns schimpfen, wissen gar nicht, wovon sie reden, weil sie keine Ahnung von der Landwirtschaft haben“, klagt Plötze.

Wie er, sehen sich viele Landwirte regelrechtem Mobbing ausgesetzt. Hinzu kämen Entscheidungen der Politik, die der hiesiegen Agrarwirtschaft schaden. So ermögliche ein Handelsabkommen die Einfuhr billigen Rindfleisches aus Südamerika, während in Europa die Viehbestände abgebaut werden. Das sei auch ökologisch widersinnig, merkt Tobias Schulz, Landwirt aus Seehausen, an.

Sachsen-Anhalts Landwirtschaftministerin Claudia Dalbert (Bündnis 90/Grüne) stellte sich den Demonstranten und zeigte Verständnis für deren Frust. „Ich glaube die Leute sind verzweifelt, weil sie nicht wissen, was die Zukunft bringt“, sagte sie im Anschluss gegenüber der AZ.

Es gehe darum, den Landwirten mehr Respekt entgegenzubringen. Den Schwarzen Peter dafür reichte sie an die Bundespolitik weiter. Die Trecker-Karawane der Bauern zog anschließend vom Domplatz zu den Magdeburger Messehallen weiter, wo eine überregionale Agrartagung stattfand. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU), die dazu angekündigt war, ließ sich entschuldigen. Die Magdeburger Aktion war Teil eines bundesweiten Protest-Tages.

VON CHRISTIAN WOHLT

Altmärkische Landwirte demonstrieren in Magdeburg

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