Zeltplatztreffen zieht hunderte Gäste an

Am Ahlumer See: Trabi-Fieber beim 20. Jubiläum

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Verliebt in einen weinroten Trabi Kübel Cabrio von Besitzer Holger Loof aus der Börde: Femke (l.) und Hilde legten 400 Kilometer aus Holland nach Ahlum zurück.

Ahlum – Insgesamt 219 Teilnehmer waren am Wochenende zum 20. Zeltplatz-Jubiläumstreffen der Trabant- und IFA-Freunde Salzwedel an den Ahlumer See gereist.

Die weiteste Anreise hatten auch in diesem Jahr die Fans aus Schweden, Norwegen, Holland und den südlichen Teilen Deutschlands.

Spaß auch für die Kleinen: Chris Rafferty (r.) machte mit einem Kerzenwechsel sein Mini-Gefährt vom Typ ES-50/1 startklar für den Junior, Aren (5). Vater und Sohn waren aus Pretzin (Elbe) in die Altmark zum Treffen angereist.

Das sympathische Organisationsteam um Anja Habermann (in holländischen Holzpantinen) und Nancy Arnold registrierte beim runden Zeltplatztreff-Geburtstag 58 Trabant, elf Wartburg, zehn Barkas, drei Lada, zwei Lkw, 62 Wohnwagen, 17 Zelte und etliche Quek-Anhänger.

Neben der Ori-Fahrt war die Schätzfrage die Besonderheit am Wochenende: „Ich hätte nie gedacht, dass in einen Wartburg Tourist 135 aufgeblasene Luftballons passen“, lachte Anja Habermann über die Supergaudi.

Fazit des Wochenendes: Die Faszination Trabant ist ungebrochen. Etwa 34 500 Trabis rattern derzeit noch über die Straßen. Lange fuhren sie mit dem stinkenden Zweitakter. Erst ab Mitte der 80er-Jahre planten die DDR-Ingenieure zusammen mit Volkswagen. Ein Viertakt-Polo-Motor wurde in Lizenz eingebaut, was die „Pappe“ noch einmal um 6000 Mark teurer machte. Die Vorstellung im Wendeherbst 1989 kam zu spät, und als dann 1990 die Produktion richtig anrollte, da waren die Messen in Sachen DDR-Automobilbau längst gesungen.

Selbst im modernen Hybrid-Zeitalter werden noch einmal längst vergessene Erinnerungen an die erste Fahrt mit der „DDR-Pappe“ wach. Wo die Trabant- und IFA-Freunde aus Salzwedel und Umgebung auftauchen, da schleichen die Liebhaber andächtig um die Wartburg 311er und die „Kugelporsche“. TÜV und AU müssen die Gefährte erst mal haben. Danach wird die Oldtimer-Zulassung beantragt. Am Ende steht dann meist ein H hinter der Zulassungsnummer. Doch ohne maximale Pflege, die der Liebe zu einer Partnerin aus Fleisch und Blut ziemlich nahe kommen kann, geht es nicht.

Das Benzingemisch 1:40 gewährleistet einen besonders ruhigen Lauf des Motors, meinen die Kenner. Und dann ist da noch der typische Innenraumgeruch der IFA-Modelle: 100 Prozent DDR gibt es da zu schnüffeln.

Kontakt und Infos zu den Trabant- und IFA-Freunden aus Salzwedel gibt es auf der Internetseite www.trabi-saw.de. Nach der Wende war der Trabi für eine Kiste Bier zu haben. Nur aus dem Westen musste das Gebräu sein. Andere Besitzer verschenkten ihre „Pappen“ seinerzeit auch schon mal.

Doch das dürften alle diese Sünder längst bereut haben. Um das 100- bis 150-fache hat ein gut gepflegter Trabant an Wert seit der Wende zugelegt. Da dürften selbst die Aktien einiger an der Börse notierter Top-Unternehmen wohl nicht mithalten. Robust, sparsam und preiswert musste der Kleinwagen der DDR sein. Das war die strenge Vorgabe des Ministerrates aus dem Jahre 1954.

VON KAI ZUBER

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