Ärzteschaft gegen CO2-Verpressung

Dr. Dirk Frenzel: „Kontakt zu Ärztekammer und Ministerien herstellen.“

kzu Winterfeld. „Wir Ärzte des Altmarkkreises Salzwedel sehen in der CO2-Verpressung unkontrollierbare Gesundheitsrisiken für die Menschen in unserer Region“, heißt es in der Mitte dieser Woche im „Wieseneck“ einstimmig verabschiedeten Resolution der Mediziner. Rund 40 Gäste, die meisten von ihnen Ärzte aus der Region, hatten sich mit der Bürgerinitiative „Kein CO2-Endlager in der Altmark“ beraten.

Eindrucksvoll untermauerte Anästhesist Dr. Dirk Frenzel die Gefahren, die von freigesetztem CO2 ausgehen können. Schwerer als Luft, sammelt es sich am Boden. Bereits ab einer Konzentration von 0,1 Prozent in der Atemluft treten Kopfschmerzen auf. Bei einem Anteil von drei Prozent des geruchlosen Gases steigt der Blutdruck. Das Herz beginnt zu rasen. Während eine brennende Kerze erst bei einer CO2-Konzentration von zwölf Prozent erlischt, beginnt der Atemstillstand beim Menschen ab acht Prozent. Ohne sofortige Hilfe tritt binnen einer halben Stunde der Tod ein.

„Das Problem dabei ist, dass sich Ärzte und Retter im Falle einer Havarie selbst in Gefahr begeben“, betonte Frenzel. Untermauert wurde dies von Rainer Litzmann, ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes im Altmarkkreis. Litzmann war zwar nicht selbst anwesend, sandte aber eine Botschaft, die deutlich machte, wie ernst es im Falle eines CO2-Austritts aus einem Speicher werden kann: Dann, so die Quintessenz, gebe es keine Schwerverletzten, sondern nur Tote. Stefan Quisdorf und Christfried Lenz von der BI veranschaulichten per Video, was im Fall einer Havarie passieren kann. 2008 bekämpften Feuerwehrleute in Mönchengladbach den Brand in einer Lackfabrik mit CO2. Das Gas sammelte sich wie ein Teppich am Boden. 50 Häuser wurden evakuiert, mehrere Menschen, unter anderem Rettungskräfte, mussten medizinisch behandelt werden.

Ins „Wieseneck“ eingeladen war auch Christa Hecht, Geschäftsführerin der Allianz der öffentlichen Wasserwirtschaft. „Das Risiko, mit einer CO2-Verpressung auf Dauer unser Grundwasser zu verunreinigen, ist einfach zu groß. Das saline Wasser, 300 Mal salzhaltiger als im Meer, ist mit aggressiven chemischen Verbindungen und Schwermetallen verunreinigt“, so Hecht. Die Verpressung des Wassers und des Gases in größere Tiefen sei in der Praxis oft eine Illusion, da es wegen der Druckverhältnisse den Drang nach oben habe. Dr. Ernst Allhoff mochte sich gar nicht erst ausmalen, was im Falle eines CO2-Gaus passieren könnte: „Wir müssen mit der Aufklärung der Patienten im Wartezimmer beginnen, Politiker überzeugen und das für November geplante Gesetz zur Verpressung verhindern.“

Der Kontakt zu Wolfgang Böhmer ist bereits hergestellt. Der Ministerpräsident betonte in einem Schreiben, dass noch nichts entschieden sei. Für einen Forschungsspeicher bei Maxdorf, in dem zunächst 100 000 Tonnen CO2 verpresst werden sollen, könnten indes Sonderregelungen gelten, welche die Langzeitsicherheit besonders beeinträchtigen. So plant etwa der Bund, die Haftung nach 30 Jahren dem Land zu übertragen. Am Ende waren alle getragen von dem Optimismus, in der Sache etwas zu erreichen: „Wir werden Kontakt zur Ärztekammer herstellen und unsere Resolution an Bundes- und Landesministerien versenden“, so Dr. Dirk Frenzel abschließend.

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