Siegfried Schulz leitete Verkehrspolizei / Sowjetsoldaten rasten ins Verderben

Acht bis zwölf Tote pro Jahr

Siegfried Schulz war zu DDR-Zeiten Verkehrspolizist.

Salzwedel. Heutzutage ist der 81-jährige Siegfried Schulz nicht mehr schnell zu Fuß, aber vor vielen Jahren einmal hatte der Hansestädter jeden Raser und sonstigen Verkehrssünder in Salzwedel im Visier. Von 1958 bis 1963 war der damalige Leutnant der Leiter der Verkehrspolizei.

Als er jüngst in der Altmark-Zeitung die Beiträge über die sowjetischen Soldaten in der Hansestadt las, erinnerte er sich an seine eigenen Erfahrungen mit der Besatzungsmacht. Die war grundsätzlich nicht negativ, wie er im Gespräch verdeutlicht. Dennoch hatten die Sowjets einige Eigenheiten.

„Etwa acht bis zwölf Soldaten starben jedes Jahr durch Unfälle“, erinnert sich Siegfried Schulz. „Meistens durch Rasen.“ Aber insgesamt seien die Zahlen normal gewesen – im Gegensatz beispielsweise zu Gardelegen, wo mancher Polizist über die Unfallzahlen durch den nahen Truppenübungsplatz in der Letzlinger Heide schimpfte, erzählt der Salzwedeler weiter.

Kam es zu einem Unfall, musste Siegfried Schulz ganz objektiv den Vorgang klären. „Die Sowjets neigten dazu, ihre Leute zu schützen“, so der Rentner. Dennoch hatte er gründlich zu arbeiten, denn solche Fälle gingen dann zum Militärstaatsanwalt.

Gängige Vorurteile, dass die ausländischen Soldaten übermäßig tranken, konnte der ehemalige Verkehrspolizist nicht bestätigen. Aber dass sie Spargel nicht richtig zu verarbeiten wussten schon.

Mit einem technischen Offizier pflegten Siegfried Schulz und seine Frau gute Beziehungen. Dort wurde das Edelgemüse zwar ordnungsgemäß gekocht, aber nicht geschält.

Für seine Zusammenarbeit mit den Sowjets erhielt der Salzwedeler später eine Urkunde (siehe Bild oben). Darin heißt es übersetzt: „Zu Ehren des 18. Jahrestages der Gründung der Volkspolizei der DDR zeichnen wir Sie für die fruchtbringende Zusammenarbeit mit den Streitkräften der sowjetischen Truppen in Deutschland aus.“ Und weiter: „ ... zum Wohle des Aufbaus des Sozialismus in der DDR und der Stärkung der Freundschaft ...“ Die Urkunde ist vom Militärkommandanten Korotkow unterzeichnet.

Von Jens Heymann

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