„Angsteinflößende Vorgehensweise“ / Angeklagter uneinsichtig

Acht Monate Haft: Mann würgt Ehefrau

klü Salzwedel. Lautstark ging es gestern im Salzwedeler Amtsgericht zu. Der 53-jährige Angeklagte hatte im Juli des vergangenen Jahres nach einem Streit seine Ehefrau fast bewusstlos gewürgt.

Die Vorwürfe bestritt der gebürtige Russe den gesamten Prozess über freundlich lächelnd.

Im Gericht

„Als ich zur Wohnung kam, wurde ich von den Nachbarn schon darauf angesprochen, dass die Musik bei uns zu laut sei“, schilderte die Ehefrau (47). Als sie die Lautstärke der Anlage herunterdrehen wollte, soll sie von ihrem Mann beschimpft worden sein. „Ich habe den Stecker gezogen und bin in das Kinderzimmer. Dort hat er meine Arme festgehalten, hat sich auf meine Beine gestützt und mich gewürgt“, erzählte die dreifache Mutter.

Todesängste habe sie über mehrere Minuten aushalten müssen, berichtete sie unter Tränen vor dem Gericht. „Erst als ich mich nicht mehr bewegt habe, hat er von mir abgelassen“, so die Zeugin.

„Das ist alles gelogen“, zeigte sich der Angeklagte, der aktuell in Lüchow wohnt, sauer. „Ich habe sie nicht gewürgt. Wir haben uns angeschrien, ja. Ich sollte die Musik leiser machen, weil sie Kopfschmerzen hätte“, gab der 53-Jährige zu Protokoll. Anschließend sei er gefahren, weil er Sachen zu erledigen gehabt hätte: „Ich war zu dem Zeitpunkt krank geschrieben und musste meine Bescheinigung wegbringen.“ Auf dem Weg aus der Wohnung habe er seine Frau lediglich zur Seite geschubst.

„Als die Beamten da waren, habe ich ihnen die Würgemale gezeigt. Man hat noch die Fingerabdrücke an meinem Hals gesehen“, schilderte die Ehefrau. Und auch ältere Blutergüsse nahmen die Polizisten vor Ort auf und fotografierten Hämatome an den Armen.

Als der Angeklagte an diesem Tag im Juli wieder in die Wohnung kam, rief die 47-Jährige erneut die Polizei. Diese verwiesen den 53-Jährigen der Wohnung. Bereits vor drei Jahren, so erzählte es die 47-Jährige, hätten die Probleme in ihrer Ehe angefangen. Sogar zur Eheberatung seien die beiden gegangen. Auch von Alkoholproblemen war die Rede.

„Das ist eine brutale und angsteinflößende Herangehensweise, die wir äußert kritisch geprüft haben“, fasste Richter Klaus Hüttermann zusammen. Acht Monate Haftstrafe auf zwei Jahre Bewährung sowie 100 Stunden gemeinnützige Arbeit sprach er am Ende des Prozesses gegen den Angeklagten aus.

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