Zukunft des Bücherbusses ungewiss – und der Politik ist bei der Lösungssuche kein Weg zu weit

Abstecher nach Dresden

Der Salzwedeler Bücherbus.

Salzwedel. Wer sich über das gewichtige Thema „Bibliothek und Soziokultur – Partnerschaften für strategische Bibliotheksentwicklung“ informieren will, steht im Land Sachsen-Anhalt auf verlorenem Posten.

Denn leider würden Seminare dieser Art nicht wohnortnah durchgeführt, bedauert man im Salzwedeler Kreishaus. Deshalb gingen sechs von sieben Ausschussmitgliedern des Kreis-Kulturausschusses mit dem kreiseigenen Kleinbus auf Reise nach Dresden. Im Gepäck hatten sie wichtige Fragen – schließlich streitet man im Altmarkkreis Salzwedel über die Zukunft des Bücherbusses.

Am 29. Oktober soll es zu diesem Thema eigens eine Sondersitzung des Kreistages geben, kündigte Landrat Michael Ziche in einem Pressegespräch an. Und erwähnte auch die Tour der Kommunalpolitiker in Sachsens Landeshauptstadt. Die Situation ist verzwickt – einerseits will man das Lese-Angebot auf dem Lande natürlich aufrecht erhalten, andererseits müssen auch die (finanziellen) Rahmenbedingungen stimmen.

Doch welchen Nutzen können ehrenamtliche Politiker in diesem Zusammenhang aus einem Strategie-Seminar ziehen? „Die Teilnehmer konnten sich nicht nur einen Eindruck dahingehend verschaffen, was im Jahre 2012 insbesondere im Bibliothekswesen unabdinglich ist; sie hatten darüber hinaus hinreichend Gelegenheit, sich vor Ort mit anderen Bibliothekarinnen auszutauschen“, heißt es dazu in einer schriftlichen Stellungnahme des Landkreises. Was das konkret für den Bücherbus und dessen Zukunft bedeutet? Das werde bei der Erarbeitung einer entsprechenden Stellungnahme des Kulturausschusses deutlich, kündigt Kreissprecherin Birgit Eurich an.

Durch die Fahrt nach Dresden haben die Mitglieder des Kulturausschusses im übrigen sogar noch Geld gespart, rechnet die Kreisverwaltung vor: Ein „Inhouse-Seminar“, also eine entsprechende Veranstaltung nach Salzwedel zu holen, hätte rund 1500 Euro gekostet, hatte das zuständige Amt im Vorfeld ermittelt. Die Dresden-Fahrt dagegen sei rund ein Drittel billiger zu haben gewesen. Dieselkraftstoff, Hotelübernachtung und Seminargebühren hätten mit rund 970 Euro zu Buche geschlagen, das Geld zahlt der Altmarkkreis. Im Bereich „Kreistag“ gebe es eine entsprechende Kostenstelle „Aufwendungen für ehrenamtliche und sonstige Tätigkeit“.

Intern wird die Tour nach Sachsen derweil in der Kommunalpolitik schon fleißig diskutiert. Dass sich das in Dresden Gelernte auf die Salzwedeler Situation umsetzen lasse, bezweifeln manche. Und auch die 1000 Euro wären für den Bücherbus direkt besser eingesetzt gewesen, heißt es.

Mit Spannung erwarten deshalb alle, was der Kulturausschuss bei der nächsten Sitzung am 16. Oktober auf den Tischen finden wird – vielleicht die sächsische Lösung für die Rettung des Bücherbusses?

Von Thomas Mitzlaff

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