Von Woche zu Woche

Vom Abschied einer Bürgermeisterin

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Thomas Mitzlaff

Keine Frage: Salzwedels Oberbürgermeisterin ist eine Frau mit Ecken und Kanten – oder vielmehr war muss es seit gestern heißen; denn da hatte Sabine Danicke ihren letzten Arbeitstag.

Sieben Jahre lang repräsentierte sie die Hansestadt Salzwedel, gab ihr ein Gesicht in der Altmark und weit über die Grenzen hinaus.

Sieben Jahre im Dienste der Baumkuchenstadt und ihrer Bürger – dann bedeutet ein solcher Abschied auch immer einen Einschnitt für eine Komune, einen Neuanfang. Dazu gehört aber auch, dem scheidenden Stadtoberhaupt Danke zu sagen. Danke für das Engagement, für die vielen Jahre, in denen Freizeit knapp bemessen und Wochenenden voller Termine Normalität waren.

Gestern sind Repräsentanten von Wirtschaft und Politik aus der gesamten Region ins Kulturhaus gekommen, um sich bei der Oberbürgermeisterin für die Zusammenarbeit zu bedanken und ihr eine würdige Abschiedsstunde zu bereiten. Eingeladen hatte dazu die Stadtverwaltung. Das hat Sabine Danicke sich verdient in sieben aufopferungsvollen Jahren.

Es gab keinen Sektempfang und kein Büffett, sondern Selters und Laugenbrötchen. Es gab Zeit für Gespräche und einen Blick zurück. Ein bescheidener Abschied. Dabei hätte man es belassen können und alles wäre gut gewesen.

Doch in Salzwedel kann selbst ein Wechsel an der Stadtspitze offenbar nicht ohne ein Nach-treten über die Bühne gehen. Was sich da Teile der Politik in diesen Tagen erlauben, ist einfach nur beschämend. Beim Abschied eines Stadtoberhauptes die Frage aufzuwerfen, ob die Stadt aus diesem Anlass noch Wasser und trocken Brötchen bezahlen darf, zeugt nicht nur von Provinzialität. Es macht auch deutlich, warum sich die Stadt so schwer tut damit, in ihrer Entwicklung voranzukommen. Diese Selbstgerechtigkeit von Kommunalpolitikern, die die Stadt stagnieren lässt, haben die Bürger nicht verdient. Und auch Sabine Danicke nicht.

Von Thomas Mitzlaff

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