IM GERICHT – Vorwurf: Ehemann rächt sich an Nebenbuhler

Abrechnung im Supermarkt: 23-Jähriger wird vor den Augen der Angestellten und Kunden von zwei Männern verprügelt

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(Symbolbild)

Salzwedel – Ein warmer Sommertag in Salzwedel, ein Mann kauft im Supermarkt an der Uelzener Straße ein. Als er wieder herauskommt, bekommt er plötzlich Angst. Denn er hat zwei Männer gesehen und diese ihn.

Er flieht zurück in den Markt, wird verfolgt und drinnen gestellt. Die beiden Angreifer schlagen ihn nieder, treten auf ihn ein – vor den Augen der Angestellten und Kunden. Dann ziehen sie ihn aus dem Markt und lassen draußen erst von ihrem Opfer ab, als die Polizei eintrifft und die Ordnung wiederherstellt.

Um diese Ereignisse aus dem Juli 2018 ging es nun vor dem Salzwedeler Amtsgericht. Auf der Anklagebank: zwei Männer, 26 und 34 Jahre alt, beide Afghanen. Sie sprechen kein oder kaum Deutsch, leben vom Jobcenter, einer in Stendal, der andere in Brandenburg. Ihr Opfer ist ebenfalls Afghane und 23 Jahre alt. Er erlitt infolge der Schläge und Tritte einen Schädelbruch (Felsenbein), eine Brustkorbprellung und ein Bauchtrauma. Die Spätfolgen, vor allem Schmerzen, spüre er noch immer, so heißt es vor Gericht.

Die beiden Angeklagten, die bislang nicht ausgesagt haben, machen keinen sonderlich aggressiven Eindruck. Doch an jenem Sommertag sollen sie unerbittlich gewesen sein. Aber warum?

Das Geheimnis lüftet sich erst nach und nach während der Verhandlung. Das Opfer habe nämlich mit der Frau des 34-Jährigen angebändelt. Es sei mehr als Freundschaft gewesen, so sagt er aus.

„Ich möchte alles vergessen“, meint er immer wieder. Das ginge nicht, weist ihn der Richter zurecht. Denn so recht will der 23-Jährige nicht mit der Ursache der Auseinandersetzung herausrücken. Dass er die Frau des anderen geliebt und dies in den sozialen Medien gezeigt habe. Vor Gericht werden einige Dinge angesprochen – etwa die Behauptung, er sei der wahre Vater eines der Kinder des 34-Jährigen. Oder er hätte versucht, mit Fotos Geld zu erpressen. Stimme alles nicht, sagt das Opfer.

„Sie hatte viel versprochen“, so der Mann über die Frau, die er liebte. Auch die Trennung von ihrem Gatten, mit dem sie angeblich unglücklich sei. Doch daraus wurde anscheinend nichts.

Er habe rückblickend einen großen Fehler gemacht, erklärt der 23-Jährige. Sogar die Eltern der Frau hatten ihm von einer Beziehung abgeraten, heißt es. Man würde ihm eine andere Frau beschaffen.

Die Liebelei flog später auf, bald war sie vorbei. Doch der Ehemann hatte vermutlich noch eine Rechnung mit dem Nebenbuhler offen. Und auch dieser hat es wohl all die Zeit geahnt, dass da noch etwas kommen würde. Vergangenen Sommer wurde offenbar abgerechnet – in aller Härte.

Vor Gericht sagen außerdem einige Zeugen aus. Die damalige Kassiererin hat selbst mehr als ein Jahr später noch Angst. Sie sei damals überfordert gewesen – zwischen der Schlägerei und dem Abkassieren der anderen Kunden. Der Prozess geht am Freitag, 15. November, im Amtsgericht weiter.

VON JENS HEYMANN

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