Amtsgericht Salzwedel

72-Jähriger wegen Tierquälerei vor Gericht

bg Salzwedel. Mit einer Verweisung an das Landgericht endete gestern der Prozess gegen einen 72-Jährigen wegen Tierquälerei. Die Verhandlung stand unter großem öffentlichem Interesse von Salzweder Tierschützern.

Im August vergangenen Jahres hatte der Mann seinen Schäferhund-Dobermann-Mischling bei über 30 Grad Hitze in seinem Auto auf dem Kaufland-Parkplatz gelassen. Dann ging er für mehrere Stunden einkaufen und Kaffee trinken.

Ein herbei gerufener Polizist schob das Fenster des Autos runter, das vorher nur fünf Zentimeter geöffnet war. „Der Hund war von beiden Seiten so angebunden, dass er sich nicht hinlegen konnte und hat gewimmert“, schilderte der Polizist gestern vor dem Amtsgericht den kritischen Zustand des Tieres. Ein weiterer Polizist ließ den Angeklagten mehrmals ausrufen. Der gab an, nichts gehört zu haben.

Der Rentner schilderte, von mehreren Polizisten aus dem Laden eskortiert und herumgerissen worden zu sein. „Das kann nicht sein, wir waren nur zu zweit im Einsatz und ich war die ganze Zeit über am Auto“, widersprach der Polizist und berichtete weiter: „Der Angeklagte hat gesagt, ‘Das Vieh wird schon nicht verrecken’ und hat sich geweigert den Kofferraum zu öffnen, um dem Hund Luft zu verschaffen. Wir haben ihn darauf hingewiesen, dass wir das Tierheim rufen.“ Dann habe der Angeklagte den Polizisten am Hemd gerissen und versucht, mit dem Knie in den Unterleib zu treten.

Als er nochmals ermahnt wurde, wiederholte er diese Tat. „Der Hund war sehr abgemagert, hatte starken Floh- und Würmerbefall und teilweise kein Fell mehr“, erklärte eine Tierheim-Mitarbeiterin. Seit einigen Wochen ist der Hund wieder in Obhut des Angeklagten.

Da der Mann bereits mehrfach vorbestraft ist, ein Bewährungsverfahren wegen Körperverletzung läuft und er dem Amtsgericht für seine aggressive Verhaltensweise bekannt ist, wurde eine Sachverständige hinzugezogen. Diese erklärte, dass der Angeklagte sich oft angegriffen fühlt. Zwar habe er eine enge Bindung zu seinen Tieren, erkenne deren Bedürfnisse aber nicht.

Das Amtsgericht verwies den Fall an das Landgericht Stendal. Weiterhin soll ein ärztliches Gutachten über den 72-Jährigen erfolgen. „Weitere Aggressionen gegenüber Anderen sind nicht auszuschließen“, urteilte Richter Dr. Klaus Hüttermann. Das Gutachten soll klären, ob der Rentner in einer psychiatrischen Klinik untergebracht werden soll.

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