Jetzt gehts um Arbeitsplätze

350.000 Euro in den Stappenbecker Sand gesetzt: Behördenhickhack gefährdet Jobs

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Immissionsschutz-Sachgebietsleiter Dr. Helmar Tepper (v.l.) vom Altmarkkreis, Bauamtsleiterin Martyna Hartwich, Bürgermeisterin Sabine Blümel sowie Anwohner Klaus-Dieter Middelhoff und die Bürgerinitiative diskutierten im vergangenen Jahr am Gärrestbehälter. Passiert ist bislang nichts.

Stappenbeck – Wenn am halb fertigen Stappenbecker Gärrestlager nicht bald etwas passiert, sind Arbeitsplätze in Gefahr. Niemand hat etwas verkehrt gemacht, sagten im vergangenen Jahr alle Beteiligten. Seitdem wird geprüft bis hoch zum Landesverwaltungsamt. Passiert ist bis heute nichts.

Burkhard Thiede muss den Entscheidungshickhack ausbaden.

Ausbaden muss es Burkhard Thiede, Investor und Geschäftsführer der Tier- und Saatzucht Mahlsdorf GmbH. Er hatte, nachdem alle Genehmigungen vorlagen, am Ortsrand von Stappenbeck einen Gärrestbehälter errichten lassen. Dann liefen die Stappenbecker, die von ihrem Bürgermeister nicht unterrichtet worden waren, dagegen Sturm. Sie befürchten aufgrund der Ortsnähe Geruchsbelästigungen. Ein Baustopp wurde ausgesprochen. Das ist fast ein Jahr her. Anfang September vergangenen Jahres hatte es noch einmal ein Treffen vor Ort mit Vertretern der Ämter und Bürgermeisterin Sabine Blümel gegeben. Alles noch einmal überprüfen und schnell klären, hieß es.

Doch nun wird es eng. Burkhard Thiede hat bislang rund 350.000 Euro im Verlass auf die behördlichen Genehmigungen in den Stappenbecker Sand gesetzt. Wollte dort drei bis vier Arbeitsplätze schaffen. „Wenn es bis zum Herbst nicht weitergeht, muss ich den Viehbestand herunterfahren“, sagt der Landwirt. Das wiederum bedeutet, dass er vier bis fünf seiner 14 Mitarbeiter entlassen muss.

Ursprünglich wollte Thiede mit dem Gärrestbehälter auf eine solide Kreislaufwirtschaft setzen. Doch nun wäre er gezwungen, statt der selbst erzeugten Gülle Mineraldünger zuzukaufen. „Ich habe nichts Schlechtes gemacht, ich habe an die Zukunft gedacht“, ärgert sich Thiede über den immer noch andauernden Baustopp. Zugleich verweist er auf den alten Schweinestall, der schon seit DDR-Zeiten auf dem Behältergelände steht. Das habe noch viel mehr gestunken als die Kühe, die er dort eingestallt hat, so Thiede.

Mit einem Gärrestbehälter würde es kaum noch Geruchsbelästigungen geben. Thiede hatte angeboten, noch zusätzlich ein Immissionsschutzdach installieren zu wollen. Das war keine Auflage der Baugenehmigung und würde ihn zusätzlich rund 60.000 Euro kosten. Auch für die Sicherheit sei durch einen Wall gesorgt, falls der Behälter einmal platzen sollte, was nach bisherigen Erfahrungen so gut wie ausgeschlossen sei, weiß der versierte Landwirt.

Wäre ihm der Standort durch die Ämter versagt worden, hätte er gleich einen anderen gesucht, stellt der Geschäftsführer klar. Sollte ihm nun der Weiterbau bei Stappenbeck versagt werden, bleibt zu klären, wer für die Kosten aufkommt, die Burkhard Thiede dort investiert hat. Denn er hatte alle Genehmigungen, bevor er mit dem Bauen in Stappenbeck begonnen hat.

Liegt der Fehler beim Altmarkkreis, so könne sich Burkhard Thiede an diesen wenden, hatte Dr. Helmar Tepper, Sachgebietsleiter Immissionsschutz, vergangenen September allen Beteiligten erklärt. Dann gingen die amtlichen Fehlentscheidungen – wenn es denn welche waren – auf Kosten der Steuerzahler.

VON HOLGER BENECKE 

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