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2G+: Der versteckte Lockdown

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Von: Holger Benecke

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Einar Krause: „2G+ ist ein versteckter Lockdown.“ Salzwedels renommierter Gastronom hofft, dass in den Restaurants die 2G-Regel erhalten bleibt. © Benecke, Holger

Gerade hatte die Gastronomie wieder Fahrt aufgenommen, da erwischte sie die vierte Corona-Welle mit voller Breitseite. „Es gilt bislang 2G“, sagt Einar Krause, Betreiber des gleichnamigen renommierten Kulturhaus-Restaurants. Damit haben nur Genesene und Geimpfte Zutritt. Das läuft. Doch unter den Gastronomen geht die Angst vor 2G+ um. Heißt: Die Genesenen und die Geimpften müssen sich außerdem testen lassen.

Salzwedel - „Dann kann niemand mehr einfach mal so ins Restaurant gehen“, umreißt der Gastronom. „Kaum jemand wird sich mittags testen lassen, weil er zum Abendessen gehen will“, mutmaßt Einar Krause. Er selbst hat weder das Personal noch die Zeit, ein Testzentrum vor seinem Restaurant zu installieren. Und wer möchte sich kurz vor dem Essen schon gern ein Stäbchen in die Nase oder den Rachen schieben lassen?

Corona-Angst: Viele Feiern abgesagt

Das Prozedere vor dem Essen bzw. Feiern ist auch jetzt schon gerade für Ältere sehr anstrengend, weiß der Restaurantchef aus Erfahrung. Da kommt die zwar geimpfte Oma mit dem Rollator, muss aber erst noch die entsprechende Seite aus dem in ihrem langen Leben gut gefüllten Impfausweis heraussuchen. Eine Luca-App haben viele Gäste meist nicht, und wenn, wissen sie oft nicht damit umzugehen, hat Krause beobachtet. Da hilft der Gastronom natürlich gerne. Dabei vergeht jedoch viel Zeit mit App vorzeigen oder Formulare ausfüllen, in der die Vorfreude auf den Gaumenschmaus geschmälert wird. Einar Krause formuliert das so: „Gastronomie bedeutet Gastfreundschaft. Doch bevor der Gast etwas zu essen bekommt, ist er durch das Prozedere schon satt.“ Denn wer kriegt den Unmut und Ärger ab? Der Gastronom.

Wie die Angst unter den Menschen umgeht, merkt Einar Krause tagtäglich. „Viele sagen ihre Bestellungen ab, darunter auch zahlreiche Firmen und Vereine“, leeren sich Krauses Auftragsbücher, die eigentlich wieder gut gefüllt waren.

Die Weihnachtsfeiern und Reservierungen, die Einar Krause als Vorbestellung in den Büchern hat, will er in den nächsten Tagen alle noch einmal abtelefonieren. Um nachzufragen, ob die Gäste auch wirklich kommen: „Viele sind derzeit erkältet. Zwei sind krank und die anderen Beiden wollen dann auch nicht mehr ins Restaurant“, schätzt er die Lage bei den Tischbestellungen ein. Und Firmenchefs sagen vorbeugend die geplanten Weihnachtsfeiern ab, aus Angst, ihre Mitarbeiter könnten sich trotz aller Maßnahmen infizieren.

Legendäre Silvesterparty

„Ich kann nicht mehr planen, nur noch reagieren“, schaut der Restaurantchef auf Vor-Corona-Zeiten, in denen er alles zum Wohl seiner Gäste wochenlang im Voraus pingelig den letzten Schliff geben konnte. Seine legendäre Kulti-Silvester-Party hat Einar Krause abgesagt. Anfangs hatte er noch überlegt, im Foyer, im Restaurant und im kleinen Clubraum die Jahresendveranstaltung über die Bühne gehen zu lassen, doch dabei kommt in diesem kleinen Rahmen keine Stimmung auf. „Hoffentlich kommt kein 2G+“, seufzt der engagierte Gastronom.

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