Zwei brandheiße Nächte im August

29-jähriger Salzwedeler wegen Brandstiftung vor Gericht

Der Tatverdächtige wird in den Saal des Stendaler Landgerichts geführt.
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In Handschellen wurde der Tatverdächtige am Dienstag in den Saal des Stendaler Landgerichts geführt. Der 29-jährige Salzwedeler sitzt bereits in Untersuchungshaft. Er streitet die Vorwürfe der Brandstiftung ab.
  • Jens Heymann
    vonJens Heymann
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In zwei Nächten brannten im Sommer 2020 Autos in Salzwedel – nun steht der mutmaßliche Brandstifter vor Gericht in Stendal. Er stritt am Dienstag eine Beteiligung an den sieben Fällen ab.

Salzwedel / Stendal – Mit einem langen Arbeitstag hat am Dienstag der Prozess gegen einen mutmaßlichen Brandstifter aus Salzwedel am Stendaler Landgericht begonnen. Dem mittlerweile 29-Jährigen wird vorgeworfen, Mitte August 2020 in der Hansestadt vier Fahrzeuge in Brand gesteckt und es bei drei weiteren versucht zu haben. Verwandte und Polizeibeamte gehörten zu den vorgeladenen Zeugen.

Doch zunächst erklärte sich der Angeklagte. Nämlich dass er mit den Vorwürfen nichts zu tun habe. Bei dieser Meinung blieb er auch nach der Befragung durch die Strafkammer unter Vorsitz von Richterin Simone Henze-von Staden.

Der 29-Jährige schilderte in unaufgeregter Art seine Sicht der Dinge. Dass ihn das Gericht ein ums andere Mal festnagelte, brachte ihn nicht aus der Ruhe. Er könne sich das nicht erklären, lautete dann die Aussage. Er war sowohl in der ersten Brandnacht, 16. August 2020, als auch in der zweiten, 19. August, festgenommen worden. Seit einiger Zeit sitzt er in Untersuchungshaft.

Das Gericht wollte von ihm nun wissen, was er an den Abenden getan habe. Nachdem er zuhause am Computer Musik gehört und ein wenig gespielt hätte, wollte er sich im damaligen Späteinkauf an der Wallstraße noch eine Cola holen, erzählte der Mann. Dafür sei er mit dem Fahrrad seiner Schwester losgefahren. Nach dem Kauf sei er weiter in Richtung Birkenwäldchen und an der Leichenhalle von der Polizei gestoppt worden. Die Beamten hätten ihn durchsucht und die ganze Nacht auf dem Revier festgehalten, sagte der Angeklagte in Stendal aus. In jener Nacht passierten fünf der sieben ihm zur Last gelegten Vorfälle.

Drei Nächte später, als die zwei weiteren Brände geschahen, war er wieder gegen Mitternacht in der Stadt unterwegs, dieses Mal zu Fuß. Und wurde auch dieses Mal von der Polizei gestellt, die ihn laut Bericht von damals nach seiner Flucht im Burggarten aufgriff. Dort hakte Richterin Henze-von Staden nach: Warum habe er sich so kurz nach der ersten Verhaftung wieder in die Schusslinie gebracht? Jeder andere wäre doch erst einmal für eine Weile abgetaucht, so die Richterin. „Das kann ich nicht erklären“, antwortete der 29-Jährige auf der Anklagebank. „Ich weiß nicht, was ich da gedacht habe.“

Mit Diesel in einer Plastiktüte und einer Papierlunte sei er losgezogen, um am „Schwarzen Adler“ eine Mülltonne anzuzünden – so viel gab der Angeklagte zu. Doch weil dort Menschen waren, habe er von seinem Plan abgelassen. Die Polizei habe ihn dann zielgerichtet angesteuert. Es kam zur besagten Flucht und zweiten Festnahme. Den Diesel und die Lunte warf er weg, wobei Letztere wiedergefunden wurde.

Der öffentliche Prozess soll am Mittwoch, 14. April, in Stendal fortgesetzt werden.

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