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Salzwedel: 29-jährige Mutter bedroht Mitarbeiter mit Messer

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Eine 29-Jährige wurde wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung jüngst im Salzwedeler Amtsgericht zu einer Haftstrafe auf Bewährung verurteilt.
  • VonLydia Zahn
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Eine 29-jährige Mutter hatte im Mai dieses Jahres Mitarbeiter in einem Salzwedeler Markt mit einem Messer bedroht. Eine der ehemaligen Angestellten leidet noch heute unter Angstzuständen und Panikattacken, wie sie im Gerichtssaal erklärte. Für ihre Tat wurde die 29-Jährige zu einem Jahr und einen Monat Haft auf Bewährung ausgesetzt verurteilt.

Salzwedel – Das war geschehen: An einem Tag im Mai, es war der 27., entschied sich die 29-Jährige, in einem Markt ein Zelt kaufen zu wollen. Sie sprach eine der Verkäuferinnen an und fragte nach besagtem Artikel. Diese konnte ihr nicht weiterhelfen, deshalb zog die Markt-Angestellte eine weitere Kollegin hinzu. Die erklärte, dass keine Zelte mehr vorrätig seinen. Frustriert verabschiedete sich die Angeklagte und schnappte sich zwei Schlafsäcke. Anschließend ging sie mit diesen in die Gartenabteilung und warf sie über die Abgrenzung. Die Säcke landeten zwischen dem Bau- und Außenzaun. Die Mutter drehte sich um, rief den Verkäuferinnen wohl noch zu, dass dies ein Test sei, und lief davon.

Aus Angst vor Entdeckung

Davon alarmiert schnappte sich eine der beiden Mitarbeiterinnen einen der Schlafsäcke, bevor die Beschuldigte von außen den anderen Sack unter dem Zaun hervorzog und floh. Doch sie kam kurze Zeit später zurück, denn sie hatte ihre Handtasche samt Personalausweis in dem Markt vergessen.

Mittlerweile war der Regionalleiter dazugestoßen. Die Angeklagte kam nun mit einem Messer in der Hand auf die Verkäuferin mit dem Schlafsack zu und drohte, sie abzustechen, bis sie bemerkte, dass sie ihre Tasche nicht hatte. Kurzerhand drehte sie sich zu der Kollegin. Die damalige Auszubildende war starr vor Angst. „Ich habe um mein Leben geschrien und dass er mir bitte helfen soll“, hatte die Azubine ihren Chef angefleht. Dieser stellte sich vor sie, um sie zu schützen, und sagte ihr, sie solle in den Pausenraum verschwinden. Währenddessen drohte die 29-Jährige weiterhin, die drei Abstechen zu wollen. Dabei machte sie passende Handbewegungen mit dem Messer, wie die beiden Verkäuferinnen während der Verhandlung berichteten.

Nachdem die Angeklagte ihre Tasche zurückhatte, floh sie erneut. Jedoch erkannte die Verkäuferin sie als ihre ehemalige Nachbarin. Dadurch konnte sie als Täterin identifiziert werden.

Psychische und alkoholische Probleme

„Ich hatte an dem Tag ein Burnout oder so was“, versuchte die 29-Jährige, sich unter Tränen nun vor dem Richter zu rechtfertigen. Es hatte Probleme mit ihren drei Kindern gegeben, was sie sehr belastet habe. Auch der Gerichtstermin habe sie jetzt unter Druck gesetzt und sie abgelenkt. Deshalb war sie nicht, wie von ihr und ihrer Bewährungshelferin besprochen, zur Therapie gegangen, um einen Entzug wegen ihres Alkoholproblems zu machen. Auch einen teilstationären Aufenthalt in einer Psychiatrie hatte sie bereits abgebrochen.

Wie fatal ihre Tat war und welche Auswirkungen sie hatte, zeigte die Aussage der Auszubildenden: „Ich habe Schäden davon getragen. Ich habe Panikattacken. Und das ist bis heute immer noch so. Wenn ich sie sehe, dann habe ich schon Angst.“ Das schien sogar die Angeklagte nicht kalt zu lassen. Unschuldig war die dreifache Mutter keineswegs. Neun Eintragungen in ihrem Strafregister erzählten von ihrer Vergangenheit. Sachbeschädigung, mehrfache Körperverletzung, Diebstahl, räuberische Erpressung sowie gemeinschaftliche besonders schwere räuberische Erpressung waren in der Liste zu finden. Zudem lief ihre Bewährung zum Tat- und Verhandlungszeitpunkt immer noch.

Für den Staatsanwalt war klar, die Angeklagte hatte sich der versuchten gefährlichen Körperverletzung sowie des Diebstahls schuldig gemacht. Er forderte ein Jahr Haft für den ersten und 90 Tagessätze zu je 13 Euro für den zweiten Anklagepunkt. Zusammengenommen ein Jahr und einen Monat Haft ohne Bewährung. Der Verteidiger sah eine positive Sozialprognose für seine Mandantin. Schließlich sei sie fünf Jahre straffrei gewesen. Er plädierte, dass die Freiheitsstrafe zur Bewährung ausgesetzt wird, mit der Auflage, dass die Angeklagte eine Therapie antritt.

Richter Dr. Klaus Hüttermann gab der Angeklagten noch Gelegenheit, sich zu ändern. Er sprach die geforderte Haftstrafe zur Bewährung von vier Jahren und der Auflage, eine Entzugstherapie zu machen, aus. „Ich versuche es. Ich versuche, ob Sie ohne Straftaten durchs Leben kommen. Ich gebe Ihnen eine letzte Chance. Aus dem einfachen Grund, weil Sie nicht zugestochen haben.“

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