Ein Stadtpalais, das keines ist

25 000 Euro Zuschuss zur Restaurierung der Fenster im Loofschen Haus

Haus
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Ein eindrucksvolles und repräsentatives Gebäude ist das Haus An der Marienkirche 10.
  • VonArno Zähringer
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Eine interessante Geschichte hat eines der eindrucksvollsten und repräsentativsten Gebäude zumindest im Bereich rund um die Marienkirche. Nun werden dessen historische Fenster restauriert.

Salzwedel – Auch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz kann sich irren. Sie teilte kürzlich mit, dass sie für „eines der wichtigsten Wohnhäuser der Stadt mit überregionaler Bedeutung“ 25 000 Euro für die Restaurierung der Fenster am ehemaligen Stadtpalais zur Verfügung stellt. Das Geld stamme aus zahlreichen Spenden sowie den Erträgen der Lotterie Glücksspirale. Während dieser Teil noch logisch erscheint, so wurde doch so mancher Salzwedeler stutzig mit Blick auf den Begriff Stadtpalais. Das sich, so formulierte es die Stiftung, An der Marienkirche 10 in Salzwedel befindet.

Um dem Rätsel auf den Grund zu gehen, ist Hilfe notwendig. Und die bekam die AZ im Stadtarchiv von Stefan Langusch. „In der Tat handelt es sich bei dem Haus um eines der eindrucksvollsten und repräsentativsten Gebäude zumindest im Bereich rund um die Marienkirche. Allein wegen der Größe dürfte man es sicher nicht als Palais oder Herrenhaus bezeichnen“, berichtet er.

Es gäbe aber Beispiele dafür, dass sich einerseits Adelsfamilien der Umgebung in Städten niederließen und andererseits auch die höhere Geistlichkeit in direkter Nachbarschaft der Hauptkirchen ansehnliche Grundstücke (bei Dom- und Stiftskirchen oft als „Kurie“ bezeichnet) besaß. Solche Kurien beziehungsweise adligen Stadtsitze sollen sich nach Ansicht einiger Forscher ursprünglich im Bereich rund um die Burg (gewissermaßen Familienaufenthaltsorte der Burgmannen), später dann im Bereich um die Marienkirche konzentriert haben. Derartige Stadtsitze seien in Salzwedel noch das Danneil-Museum, die sogenannte Propstei, die ehemals zur Familie von der Schulenburg gehörte. Quellenmäßig zu erfassen sei auch das Katholische Pfarramt, An der Marienkirche 5, früher im Besitz der Familie von dem Knesebeck.

Allerdings lasse sich laut Stadtarchivar Steffen Langusch nicht sagen, welche Familie (falls es denn überhaupt ein adliger Stadtsitz gewesen ist) das Grundstück An der Marienkirche 10 besaß. Auch das Baujahr wird unbekannt bleiben, wobei in den Fundamenten und Mauern sicher noch mittelalterliche Bausubstanz steckt. Doch beim schrecklichen Rathausbrand 1895 sind zahlreiche Unterlagen unwiederbringlich vernichtet worden.

Doch in wessen Besitz war das Haus? Auch hier haben die Recherchen des Archivars zahlreiche Informationen ans Licht gebracht. Im 19. und 20. Jahrhundert gehörte das Haus zunächst der Kaufmanns- und Rechtsanwaltsfamilie Kaehrn, später dann dem Rechtsanwalt und Notar Ernst Looff. Als „Looffsches Haus“ dürfte es älteren Salzwedlern vielleicht noch bekannt sein, obwohl die Familie Looff in jüngerer Zeit – so etwa nach dem Zweiten Weltkrieg – hauptsächlich in der Neutorstraße wohnte.

Stadtarchivar Steffen Langusch.

Die Bezeichnung An der Marienkirche 10 hat das Gebäude erst bei Änderung der Hausnummern im Jahr 1878 erhalten. Zwischen der Mitte des 18. Jahrhunderts und 1878, als alle Häuser in der Stadt fortlaufend durchnummeriert waren, hatte das Anwesen die Nummer 151 und im frühen 18. Jahrhundert die Nummer Altstadt 1. Zuvor waren 1773 Hr. Obrist von Wolffen, vermutlich einer der Offiziere des damals in Salzwedel stationierten Kürassierregiments, Karl und Emil Gartschock (1799), der Kaufmann Georg Anton Kaehrn (1827) und der Justiz-Kommissarius Eduard Julius Gustav Kaehrn (1839) als Besitzer eingetragen.

Laut der Festschrift zum 100-jährigen Bestehen der (2.) Salzwedeler Freimaurerloge „Johannes zum Wohle der Menschheit“ könnte das Haus „An der Marienkirche 10“ auch der erste Versammlungsraum dieser Loge gewesen sein, hat Langusch herausgefunden.

Doch zurück in die Gegenwart: Bevor die Fassadenrenovierung angegangen wird, müssen nach Ansicht der Denkmalstiftung die historischen Fenster restauriert werden. Laut Stiftung mit Sitz in Bonn befindet sich das „ehemalige Stadtpalais im Zentrum der Salzwedeler Altstadt auf der Nordseite des Marienkirchhofs in prominenter Ecklage. Seine heutige Erscheinung als barockes Palais geht auf den Neubau Mitte des 18. Jahrhunderts und eine zurückhaltende Sanierung Anfang des 20. Jahrhunderts, bei der Dach und Fassade umgestaltet wurden, zurück. Der barocke Putzbau ist zweigeschossig und schließt mit einem Walmdach.“

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