OCG-Präsident Thorsten Schulz im AZ-Interview: „Müssen um Publikum kämpfen“

Zwischen Humor und Ökonomie

Der Umzug der Osterburger Karnevalisten sorgt in jedem Jahr für volle Straßen. In diesem Jahr stand aufgrund einer möglichen Erhöhung der Gema-Gebühren lange ein Fragezeichen hinter dem Spektakel. Foto: AZ-Archiv

Osterburg. Die heiße Phase in den Vorbereitungen der Osterburger Carnevals-Gesellschaft (OCG) für die 38. Session hat längst begonnen, die Festveranstaltung am 26. Januar ist nicht mehr weit.

Unter dem Motto „Spieglein, Spieglein an der Wand – wir Narren leben Märchenland“ entführen die Karnevalisten diesmal in traumhafte Märchenwelten. Doch das Karneval weit mehr bedeutet, als bunte Kostüme und Spaß, darüber sprach die AZ mit OCG-Präsident Thorsten Schulz.

Der 11. November bildet jedes Jahr den Auftakt und am Aschermittwoch ist bekanntlich wieder alles vorbei. Eine überschaubare Zeit für Karnevalisten, oder?

OCG-Präsident Thorsten Schulz.

Die Öffentlichkeit sieht mit den einzelnen Auftritten ja immer nur einen begrenzten Teil des Vereinslebens. Von den Vor- und auch den Nacharbeiten merkt die Bevölkerung ja in der Regel nichts. Zwar lebt der Karnevalist für den Applaus, doch sind es auch die Vorbereitungen wie zum Beispiel das Basteln der Dekorationen oder das Gestalten des Bühnenbildes und die Ausgestaltung unseres Spielortes, die Spaß machen und fester Bestandteil des Vereinslebens sind. Auch die Proben der einzelnen Programmpunkte müssen rechtzeitig beginnen. So trainieren zum Beispiel unsere Tanzgruppen jede Woche.

Das Interview

Wann beginnt die OCG in der Regel mit den Planungen für eine Session?

Die ersten Überlegungen stellen wir bereits zum Ende der Vorsession, zum Beispiel welches Motto in Frage kommen könnte. Das Thema ist wichtig, denn schließlich muss ein entsprechendes Bühnenbild erdacht und zum Motto passende Musik und Tänze einstudiert werden. Unter welcher Überschrift die kommende Session letzlich stehen wird, wird bei uns übrigens in demokratischer Abstimmung entschieden.

Was können Närrinnen und Narren denn vom Osterburger Karneval erwarten?

Wie in Mitteldeutschland weit verbreitet, steht bei uns eher der Show-Aspekt im Vordergrund. Also weniger der klassische rheinische Karneval. Es wird also viel Tanz, viel Musik, aber auch Büttenreden geben und das alles im zum Motto passenden märchenhaft schönen Ambiente. Nach dem eher ernsten Thema zur Eurorettung im vergangenen Jahr, wollten wir unseren Gästen in diesem Jahr ein Programm bieten, bei dem sie abschalten und für 120 Minuten dem Alltag entfliehen können.

Neben den Veranstaltungen hat sich auch der Karnevalsumzug durch die Hansestadt etabliert...?

Ja, der Umzug ist auch über die Stadtgrenzen hinaus bekannt und zieht Jahr für Jahr andere Karnevalsvereine aus der Region nach Osterburg, die sich am Umzug beteiligen wollen. Allerdings stand hinter dem Umzug in diesem Jahr lange ein Fragezeichen. Eine Erhöhung der Gema-Gebühren stand im Raum und erst nachdem wir uns versichert haben, dass es keine Veränderung im Vergleich zum Vorjahr gibt, haben wir uns entschieden, den Umzug zu machen. Auch haben sich einige Parameter bei der Genehmigung des Umzuges seitens der Stadt im Vergleich zu den Vorjahren ergeben, die wir aktuell erst noch abklären müssen.

Festveranstaltung, Umzug, Weiberfastnacht und die auswärtigen Gastspiele – wie stemmt die OCG diese auch finanziellen Belastungen?

So eine Karnevalssaison ist immer mit großem Aufwand. Gema-Gebühren, Dekoration, Bühne oder Saalmiete: Alles Kosten, die auf einen Karnevalsverein zukommen und die wir nicht mit den Mitgliedsbeiträgen abdecken können. Daher darf man die wirtschaftliche Komponente nicht außer Acht lassen. Eine goldene Nase verdienen wir uns allerdings nicht. Vielmehr haben wir einen Rahmen, den wir einhalten müssen. Planung ist daher sehr wichtig, denn die Fixkosten sind da, ob nun 100 oder 500 Leute unsere Veranstaltung besuchen. Der Kartenvorverkauf spielt also eine nicht unerhebliche Rolle. Spenden, ob nun in finanzieller, materieller Art oder in Form von Arbeitskraft sind ebenfalls ein wichtiger Bestandteil dieser Planungen.

Stichwort Nachwuchs. Hat die OCG Nachwuchssorgen?

Nachwuchssorgen haben wir eher nicht. Vielmehr ist es zum Beispiel bei den Tanzgruppen so, dass die Mädchen, angefangen bei den Tanzbienchen über die Biesemäuschen bis zu den Discospatzen, in den Verein hineinwachsen. Wir sind ein offener Verein und jeder, der sich karnevalistisch engagieren möchte und neue Ideen mitbringt, ist bei uns gern gesehen.

Und was sollte ein zukünftiges OCG-Mitglied an Eigenschaften mitbringen?

Das hängt mehr oder weniger davon ab, wie er oder sie sich bei uns engagieren möchte. Neben humorvollen Menschen, die zum Beispiel das Programm mitgestalten, brauchen wir auch den sachlichen Denker. Das Gesamtpaket muss eben stimmen. Die Säle füllen sich nicht von allein. Wir müssen auch um unser Publikum kämpfen. Kreativität und Ideenreichtum sind daher immer gefragt.

Vielen Dank für das Gespräch.

Von Oliver Heymann

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